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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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das andere an sich reißen konnte, wurde sein Übermut zu-letzt so groß, daß er mitten im Frieden die freie deutsche1681 Reichsstadt Straß bürg und andere Gebiete wegnahm, unddas deutsche Reich war so ohnmächtig, daß es sich diesenSchimpf gefallen lassen mußte. Zuletzt erhob Ludwig, dadie spanische Linie der Habsburger ausstarb, Erban Sprücheauf das ganze spanische Reich. Aber seine Anmaßung undLändergier hatte solch einen allgemeinen Haß erweckt, daßsich fast alle europäischen Staaten,England, Oesterreichund Holland an der Spitze, zu einem großen Bunde zu-sammentaten, um eine französische Weltherrschaft zu ver-hüten. So entbrannte im Beginn des 18. Jahrhunderts der1701uspanische Erbfolgekrieg, der über ein Jahrzehntlang zugleich in Belgien, Deutschland, Italien, Spanien undauf dem Meere wütete. Diesmal wurde Ludwigs Hochmutgründlich gedemütigt. Die Verbündeten erfochten unter zweigleich tüchtigen Führern, dem österreichischen FeldherrnPrinzEugen und dem Engländer Marlborough (Malböro),Sieg auf Sieg über die Franzosen. Dennoch erlangte Lud-wig XIV. beim Friedensschluß, dank der Uneinigkeit, die unterseinen Gegnern ausbrach, daß sein Enkel König von Spanienwurde. Doch kamen Belgien und die Lombardei anOesterreich und die Insel Sardinien an den Herzog vonSavoyen, der sich seitdem König von Sardinien nannte.England gewann den Felsen von Gibraltar, durch dessenBesitz es den Eingang zum Mittelmeer beherrschte. Bald nachl7lö der Beendigung dieses Krieges starb Ludwig XIV. Er hattedem Hause der Bourbonen ein neues Reich gewonnen undFrankreich um ansehnliche Provinzen vergrößert. Dafür warder Staat rettungslos verschuldet, Seemacht, Handel, Industriedahin, das Land an manchen Orten verödet und das fran-zösische Volk in einem Elende, das aller Beschreibung spottet.Auf dem Todbette sagte er selber zu seinem Urenkel, dersein Nachfolger wurde:Suche mit deinem Nachbar inFrieden zu leben. Ich habe den Krieg zu sehr geliebt; ahmemir darin nicht nach, so wenig als in meinem großen Auf-