5. Cromwells Gewaltherrschaft (1653—58). —Schon hatten indes die englischen Republikaner ihren Traum,einen Freistaat ohne Zustimmung des Volkes zu begründen,mit dem Zusammenbruch ihres Werkes gebüßt. Cromwell,der Abgott der Soldaten, der mächtigste Mann der Republik,
1653 hatte Parlament und Regierung auseinander getrieben undsich unter dem Titel eines Lordprotektors der Allein-herrschaft bemächtigt. Die Gewohnheit, zu befehlen, dasGefühl seiner Fähigkeiten hatten seine Brust mit Ehrgeizerfüllt, und da er ohnehin sah, daß das englische Volk eherder Monarchie zuneigte, so beschloß er diese herzustellen,nur mit dem Unterschied, daß der Thron den Cromwells,statt den Stuarts gehören sollte. So hatte England wiedereinen Monarchen, wenn es auch dem Namen nach noch eineRepublik blieb, aber einen Monarchen von außergewöhnlicherHerrscherkraft und Weisheit. Seinen Grundsätzen gemäßließ Cromwell jede Glaubensgemeinschaft frei gewähren.Recht und Gerechtigkeit wurde streng gehandhabt, und nachaußen genoß England unter ihm ein Ansehen, wie nie zuvor.Die Monarchen des Festlandes buhlten um seine Freund-schaft. Eine Drohung von ihm genügte, um Verfolgungenvon Evangelischen in katholischen Ländern zum Stillstandzu bringen. Der Papst selber sah sich veranlaßt, den katho-lischen Fürsten Mäßigung zu predigen, um nicht die ge-fürchtete englische Flotte an seiner Küste erscheinen zusehen.
6. Wiedereinsetzung und abermalige Ver-treibung der Stuarts (1660-^1688). — Aber eine Krank-
1058 heit raffte Cromwell mitten in seiner Macht hinweg, undsein Sohn Richard, der ihm folgte, besaß nicht die großenEigenschaften des Vaters. Schon nach einem halben Jahredankte er, halb freiwillig, halb gezwungen, ab. Das Reichgeriet in die größte Verwirrung, und die Engländer wußten
1660 sich nicht anders zu helfen, als indem sie Karl II., denSohn des hingerichteten Karl I., zurückriefen. So nahmendie Stuarts den Thron ihrer Väter wieder ein. Aber sie hatten