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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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Geistlichkeit unterdrückte. Dem freisinnigen Geiste, der im18. Jahrhundert in der Welt zu wehen begann, zollte Josephseinen Beifall, indem er den seit dem 30jährigen Krieg be-stehenden Glaubenszwang aufhob und den NichtkatholikenDuldung gewährte. Überhaupt trat er mit kräftiger Handder Herrschsucht der Kirche entgegen und hob die Klösterauf, deren Insassen sich nicht über eine nützliche Tätigkeitausweisen konnten, um ihre Güter zur Stiftung von Pfarreien,Schulen und wohltätigen Anstalten zu verwenden. So warder Kaiser unermüdlich auf Beseitigung der Mißbräuche undauf Reformen aller Art bedacht.

2. Ende Josephs II. (1790). — In seinem Eifer gingJoseph II. nur zu stürmisch vorwärts. Sobald er sich vonder Nützlichkeit einer Maßregel überzeugt hatte, suchte ersie durch seine Befehle ins Werk zu setzen, wenn sie nochso sehr Anstoß erregte. So befahl er einmal, aus Gesund-heitsrücksichten für die Lebenden sollten die Toten nichtmehr in Särgen, sondern ohne Kleider in Säcken und inKalkgruben begraben werden. Man kann sich denken, wasdiese Anordnung für böses Blut machte. Auch wollte er inseinen so verschiedenartigen, buntsprachigeu Ländern ganzgleiche Einrichtungen und Gesetze nebst dem Deutschenals Amtssprache einführen und verletzte dadurch die Liebeder einzelnen Stämme zu ihrer Sprache uud Selbständigkeit.

So erntete der Kaiser selbst beim Volke trotz seiner gutenAbsichten vielfach Haß, statt Zuneigung. Zu seinem Unglücksuchte Joseph auch als Mehrer des Reiches zu glänzen. ImBund mit Katharina II. von Rußland begann er einen Krieggegen die Türkei, in der Absicht, diese zu teilen. Erführte denselben ohne Glück, und das Ansehen seiner Re-gierung wurde dadurch aufs tiefste erschüttert.' Allerortenbegann sich der Widerstand gegen seine Neuerungen zuregen, in einzelnen Teilen des Reiches brach der offene Auf-ruhr aus. Joseph II., der sich auf dem Feldzug eine tödlicheKrankheit geholt hatte, sah sich auf dem Sterbebett genötigt, 1790die meisten seiner Anordnungen zu widerrufen. Voll Schmerz