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ihnen den erlösenden Helden senden, und in langwierigem Kriegeermordeten und vertrieben sie alle Römer im Lande. Nero sandteseinen besten General gegen sie, den Vespasian, der ihnen Stadtum Stadt entriß, bis er zum Kaiser erhoben wurde. Dann übergaber seinem Sohne Titus die schwere Aufgabe, Jerusalem zu bewäl-tigen, den letzten Zufluchtsort der Empörung. Entsetzliche Zuständeherrschten in der unglücklichen Stadt. Die Aufständischen hatten sichin Parteien gespalten, die sich mit wildem Grimme zerfleischten. Nurim Kampfe gegen die Römer waren sie einträchtig und verteidigtensich mit verzweifeltem Mute. Bald wütete die gräßlichste Hungersnotin der eingeschlossenen Menge; eine Mutter verzehrte ihr eigenes Kind.Endlich erstürmten die Römer die Mauern, wobei der Tempel inFlammen aufging; aber noch bedurfte es wochenlanger fürchterlicherKämpfe, bis sie den letzten Stadtteil erobert hatten. Jerusalem wurdedem Erdboden gleich gemacht. Über eine Million Juden war demSchwert, dem Hunger, dem Feuer erlegen, Hunderttausende wurdenin die Sklaverei geschleppt und der Rest aufs schwerste geknechtet. —AlsKaiser Hadrian sechzig Jahre später den Befehl gab, die zerstörteHauptstadt als eine heidnische Kolonie für ausgediente römische Sol-daten wieder aufzubauen, erhob sich das zertretene Volk nochmals.An die Spitze stellte sich ein kühner Krieger, Bar Kochba d. i.Sternensohn genannt, der sich für den Messias ausgab. In drei-jährigem Kriege wurden von den Römern abermals gegen tausendOrtschaften zerstört, 580,000 Menschen getötet und zahllcse Gefangeneals Sklaven verkauft. Nach Beendigung des Krieges ließ HadrianJerusalem unter anderem Namen (Aelia Capitolina) wieder aufbauen,aber bei Todesstrafe war es den Juden verboten, den Boden derStadt zu betreten; für die in der Welt zerstreuten Splitter des un-glücklichen Volkes gab es keine Heimat mehr.
5. Wachstum und Verfolgung im 1. und 2. Jahr-hundert. — Von den Juden mit Haß und Verachtung zurück-gewiesen, fand der Glaube an Christus mit wunderbarer Schnelligkeitbei der Heidenwelt Eingang. Namentlich suchten dieuntern Volks-schichten in ihm Trost und Erquickung für ihre gedrückte, elende Lage.Die heiligen Schriften, die Evangelien, die Briefe des Paulus