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gingen von Hand zu Hand. Einer lud den andern zur Christenver-sammlung ein, und ergreifend war der Eindruck der heitern Zu-versicht, des festen Zusammenhaltens, der Gleichheit und Brüder-lichkeit in der Gemeinde, in der es vorkam, daß der Sklave als Priesterin seinem Herrn einen demütigen Zögling unterwies. So ist es er-klärlich, daß schon um die Mitte des zweiten Jahrhunderts nicht nurüberall im Römerreiche Christengemeinden zu finden waren, sondernauch in Mesopotamien, Persien, ja in Indien und Arabien. Indeserweckte die neue Religion frühe auch bittere Feindschaft. Die Ge-bildeten verspotteten und verachteten die Anbetung eines gekreuzigtenAufrührers als sinnlosen, finstern Aberglauben und beschuldigtendie Christen des Hasses gegen die Menschheit, weil sie den nahen Unter-gang der Welt erwarteten und auf dies „jüngste Gericht" all ihreHoffnungen setzten. Die Menge war ihnen abgeneigt, weil sie sichvon ihr wie von Unreinen absonderten, ihre Feste und Vergnügungenflohen und alles, was sie für heilig hielt, offen verachteten und ver-abscheuten. Dunkle Gerüchte berichteten von scheußlichen Untaten,denen die Christen in ihren Versammlungen fröhnen sollten, und machtensie zu einer Bande von Verbrechern. Auf sie, als den Auswurf derMenschheit, wälzte daher Nero die Schuld an dem Brande Romsund eröffnete auf eine Weise, die eines solchen Ungeheuers würdig war,die Christenverfolgungen von feiten der römischen Kaiser.Die einen ließ er in Tierselle eingenäht durch Hunde zerreißen; anderewurden in Pechhemden gekreuzigt und des Nachts angezündet, um denkaiserlichen Gärten als Fackeln zu dienen (64 n. Chr.). — Aber selbstdie tüchtigsten Herrscher hielten es für ihre Pflicht, dem Christentumentgegenzutreten. Sonst hatten die Römer den weisen Grundsatz, denGlauben ihrer Untertanen zu achten und zu schonen; aber es wardoch bei ihnen ein altes Gesetz, daß die Bekenner „neuer und un-erlaubter" Religionen strafwürdige Verbrecher seien. Wie hätten nundie Kaiser eine Religion gestatten können, die alle andern als falschund lügnerisch angriffmnd selbst die römischen Götter für eitle Götzen er-klärte l Auch erschienen ihnen die Christen als aufrührerisch gesinnteUntertanen, weil sie sich weigerten, den Kaiserbildern nach der all-gemeinen Sitte Wein und Weihrauch zu opfern, weil sie den Kriegs-