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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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sogar günstig gesinnt. Das Scheusal E! agabal gedachte im Tempel,den er in Rom dem Baal gebaut, auch dem Gotte der Christen undJuden Altäre zu errichten. Alexander Severus (222235) zollteden edlen Lehren Jesu aufrichtig Verehrung und stellte eine Bildsäuledesselben in seinem Palaste auf. Seine Mutter ließ sogar in Antiochienden größten christlichen Lehrer der Zeit, den Alexandriner Origenes,vor sich kommen, um sich mit ihm über Christus zu besprechen. Alsjedoch im Jahre 249 Decius, ein tüchtiger Mann, der für alt-römische Kraft und Tugend glühte, auf den Thron kam, nahm diesersofort den Kampf gegen das wuchernde Christentum wieder auf, daer in ihm eine Hauptursache des furchtbaren Verfalls im Reiche zuerblicken glaubte. Bisher hatte die Verfolgung einzelne hervorragendeKirchenhäupter, einzelne Gemeinden oder Provinzen betroffen, die unterbesonders christenfeindlichen Statthaltern gestanden haben. Jetzt gabDecius den Befehl, die Christen planmäßig im ganzen Reicheauszuspüren und keine Marter unversucht zu lassen, um sie zumAbfall zu bringen. Die Kirche wankte unter dem furchtbaren Schlage;aber als Decius nach kurzer Regierung im Kampfe gegen die Gotenfiel und hierauf die Verfolgung ins Stocken geriet, erstarkte sie wiederund stand bald mächtiger da als zuvor. Schon genossen die Bischöfehohes Ansehen selbst bei den weltlichen Behörden, schon erhoben sichin allen Städten schöne, geräumige Gotteshäuser, und die Zeit, wodas Christentum über das Heidentum die Oberhand gewann, schiennicht mehr ferne. Da versuchte Diokletian, von seinem Eidamund Unterkaiser Galerius aufgereizt, gegen Ende seiner Regierungnoch einen Kampf auf Tod und Leben. Zuerst befahl er, alle Kirchenzu zerstören und die heiligen Schriften zu verbrennen, dann, als seinPalast zweimal von Christenhand, wie er glaubte, in Brand gestecktwurde, die Bekenner Jesu durch die Tortur zum heidnischen Opfer-dienst zu zwingen. Jetzt ward von einem Ende des Reiches zumandern von Behörden und Pöbel aufs gräßlichste gegen die Unglück-lichen gewütet; nicht umsonst hatten die Fechterspiele den Anblickmenschlicher Qualen Millionen zum Lieblingsvergnügen gemacht. Inunzähligen Sagen oder L e g e n d e n hat sich das Andenken an dieseSchrecknisse erhalten. Nur Gallien blieb davon verschont, weil hier der