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christenfreundliche Unterkaiser C o n st a n t i u s die Befehle Diokletiansnach Kräften milderte und sich mit der Zerstörung einiger Kirchenbegnügte. Aber der christliche Glaubensmut erwies sich stärker, alsdie erfinderische Grausamkeit der Despoten und ihrer Werkzeuge. Mitder Abdankung Diokletians (305) erlosch im Abendlands die Verfolgung.Im Orient, wo Galerius regierte, wütete sie fort, bis er ihr auf demTodbette Einhalt gebot und damit seine Ohnmacht eingestand (311).
7. Konstantin (312—337). — Kaum der furchtbarsten Drangsalentronnen, gelangte die christliche Kirche zum Siege durch den Sohn desConstantius, Konstantin, der sich in den Thronkriegen nach Diokle-tians Abdankung aus kluger Berechnung offen für die Christen erklärte.Als er gegen den in Rom herrschenden Maxentius, den mächtigstenseiner Nebenbuhler, zog, ließ er die Schilde seiner Krieger mit einerArt Kreuz versehen und erfocht unter diesem Zeichen am 28. Okt. 312an einer Tiberbrücke oberhalb Rom einen glänzenden Sieg, der ihnzum Herrn des Abendlandes machte. Darauf erließ er mit seinemSchwager Li cinus, der im Osten gebot, zuM a il an d ein G e s e tz,das vollkommene Religionsfreiheit für alle, namentlichaber für die Christen, verkündigte und diesen alle die entrissenenGotteshäuser und sonstigen Güter zurückzugeben befahl. Bald jedochbegann Licinus seine christlichen Untertanen wieder zu bedrücken, ausArgwohn, sie neigten zu Konstantin, dessen Ehrgeiz ihn mit Besorgniserfüllte. Da erklärte sich dieser zum Beschützer der Kirche, überzog seinenSchwager mit Krieg, besiegte ihn und ließ ihn, als er sich ergab, hin-richten, obwohl er ihm Leben und Freiheit eidlich zugesichert hatte (324).Nun war Konstantin Alleinherrscher und begünstigte die Christen aufalle Weise, wenn er auch daneben die heidnische Staatsreligion un-behelligt fortbestehen ließ. In allen größeren Städten des Reicheserbauten er oder seine Mutter Helena prächtige Kirchen. Wie Rommit seinen heidnischen Tempeln prunkte, sollte die neue Hauptstadt amBosporus, Konstantinopel, im Schmucke christlicher Gotteshäuserprangen. Die Geistlichkeit erhob er zu Macht und Reichtum, indem erihr große Vorrechte verlieh, zu ihrem Unterhalte Güter gab und ihrgestattete, Vermächtnisse und Schenkungen anzunehmen. Infolgedieser Erlaubnis war sie nach 50 Jahren im Besitze des zehnten Teils