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alles Grundes und Bodens im Reiche. Begreiflich, daß die christlichenSchriftsteller seines Lobes nicht müde wurden und ihn den „Großen"hießen, obschon er in Wirklichkeit nur ein ebenso tatkräftiger und schlauerals gewissenloser Despot war, der weder Mord noch Meineid scheuteund gegen seine eigene Familie wütete; ließ er doch außer seinemSchwager feine eigene Gemahlin und seinen ältesten Sohn umbringen.
8. Das erste allgemeine Konzil zu Nicäa (325). — Fürden Schutz, den Konstantin der Kirche gewährte, maßte er sich aberauch den obersten Entscheid in ihren innern Angelegenheiten an, ob-schon er sich erst auf dem Todbette taufen ließ, also während seinesLebens eigentlich gar nicht Christ war. Die christlichen Denker hattenim Laufe der Jahrhunderte tiefsinnige Lehren über Gott, Christus unddie Welt ausgesonneu, dabei aber nur zu oft das Vorzüglichste derGebote Jesu, die Liebe und Duldsamkeit gegen den Nächsten, vergessen.Ost waren über einzelne Punktier Kirchenlehre verschiedene Ansichtenaufgetaucht und infolge dessen Parteien entstanden, die sich mit bittrerLeidenschaft bekämpften, bis es der stärkern, der „o rth o d o x e n" oder„rechtgläubigen", gelang, die schwächere als „ketzeris ch" oder „irr-gläubig" aus derkath o lis ch en, d. i. allgemeinen Kirche auszustoßen.Auch jetzt hatte sich wieder ein heftiger Streit darüber erhoben, obChristus als Sohn Gottes mit Gott wesensgleich oder ihm nurwesensähnlich und sein erstes Geschöpf sei, wie der alexandrinischePriester Arius behauptete. Als selbst das Volk darüber in Gärunggeriet, lud Konstantin die Bischöfe des ganzen Reiches nach Nicäain Kleinasien ein, um den Streit zu schlichten. So kam 325 das ersteallgemeineKonzil zusammen. Der Kaiser nahm selbst teil daranund entschied gegen die Arianer, worauf das Konzil ihre Lehre ver-dammte. Noch wurden zwar die Ketzer nicht verbrannt wie später;Arius und seine Anhänger mußten bloß in die Verbannung wandern.Da indes Konstantin bald andern Sinnes wurde und auch unter seinenNachfolgern einzelne die Arianer begünstigten, dauerte der Kampffort, bis Theodosius der Große den Arianismus durch ein neuesKonzil verurteilen ließ und mit Gewalt unterdrückte.
9. Iulian (361—363). EndedesHeidentums. — Wiehätten die Christen, die unter sich selber keine Duldung kannten, der