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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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über die andern, er wurde als Er zb i s ch o f das geistliche Oberhauptder ganzen Provinz. Am angesehensten waren endlich die Bischöfe dergroßen Weltstädte Rom, Alexandrien, Antiochien und Kon-stantinopel, sowie derjenige der Heilsstadt Jerusalem. Das warendie sogenannten Patriarchen, welche die Konzilien leiteten und sichin das Oberaufsichtsrecht über die gesamte Kirche teilten. Frühzeitigjedoch erhoben die römischen Bischöfe den Anspruch, das alleinigeOberhaupt der Christenheit zu sein, sowohl, weil Rom des ReichesHauptstadt war, als auch weil sie sich für.Nachfolger des ApostelsPetrus hielten, dem nach dem Evangelium Jesus das Oberhirtenamtüber alle Gläubigen übertragen habe. Denn der Sage nach war auchPetrus nach Rom gekommen, dort längere Zeit Bischof gewesen undzuletzt von Nero gekreuzigt worden. Wirklich gelang es Leo demGroßen, einem Manne von gewaltigem Geiste, die abendländischenBischöfe alle unter seinen Stab zu beugen und von dem weströmischenKaiser ein Gesetz zu erwirken, welches denapostolischen Stuhl" inRom als die höchste Gewalt über die Kirche anerkannte (um 450).Fortan wurde der römische Bischof vorzugsweise Papst (psxa, Vater)genannt. Indes nahm der Patriarch von Konstantinopel den gleichenRang in Anspruch, und es entstanden daraus bittere Streitigkeiten,die zuletzt zur förmlichen Trennung zwischen der römisch-katho-lischen und griechisch-katholischen Kirche geführt haben (um 1050).

12. Das Möwchtum. Während der von Jesus geforderteGeist der Liebe und Demut in der Kirche mehr und mehr verschwandund ihre Häupter an Macht, Prunk und Ehrgeiz mit Fürsten zu wett-eifern begannen, gingen manche Christen soweit, die ganze Welt mitihrem Treiben für sündhaft zu erklären. Dieser Welt zu entfliehen ohneRücksicht auf Eltern, Weib und Kind, allen Genüssen, auch den un-schuldigsten, zu entsagen und den Körper als das Werkzeug der Sündenach Kräften zu martern, das erschien ihnen als der einzige Weg zumHeil. Daher gingen sie in die Einöde und verbrachten alsEinsiedlerihr Leben in allen möglichen Entbehrungen und grausamen Selbst-peinigungen. Einer lebte 30 Jahre Sommer und Winter auf einerhohen Säule. Der berühmteste dieser Einsiedler war der heilige An -tonius von Aegypten, derV at erstes Mönchtu ms" (um300