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n. Chr.). Noch ein Jüngling, hatte er sein ganzes Gut den Armengeschenkt und sich in die Einsamkeit begeben, wo er in verfallenemGemäuer wohnte und alle sinnlichen Triebe in sich zu ersticken suchte;kaum, daß er sich ein wenig Schlaf und Nahrung gönnte. Bald ver-breitete sich sein Ruf weithin; viele wollten ihm nacheifern, ließen sichin seiner Nähe nieder und anerkannten ihn als ihren Leiter. So ent-stand eine ganze Kolonie von Einsiedlern oder „Mönche n" (morm-eboi, d. h. Einsamlebende). Pachomiu s, einer seiner Jünger, grün-dete auf einer Nilinsel das erste Kloster, indem er die Mönche in einernach außen abgeschlossenen, gemeinschaftlichen Wohnung vereinte undfür ihre Lebensweise gewisse Vorschriften oder „Regeln" aufstellte.Noch immer gab es daneben eine Menge wirklicher Einsiedler; aber dieMönche, die unter einem Vorsteher (A b t) zusammenwohnten, wurdenbald unendlich zahlreicher. Auch Frauen entsagten der Welt und lebtenalsNonnenin Klöstern vereint. Wie eine ansteckende Krankheit griffjetzt das Mönchswesen von Aegypten aus um sich, so daß „Städteeinsam und Wüsten bevölkert wurden." Frühe drang es auch insAbendland und fand hier einen weisen Gesetzgeber in dem heiligenBenediktusvonNursia (um 500). Dieser stellte für das KlosterMo n t e C a s s i n o in Unteritalien, das er gegründet hatte, eine festeRegel auf, welche die Aufzunehmenden zu dem dreifachen Gelübde derArmut und Ehelosigkeit, des Gehorsams und des Verbleibens imKloster verpflichtete und gebot, daß mit den religiösen Uebungen nütz-liche Arbeiten abwechseln sollten. Diese Regel wurde bald von denmeisten Klöstern im Abendlande angenommen, und es entstand da-durch der älteste Mönchsorden, derjenige der Benediktiner, dersich durch seine rege Tätigkeit vorteilhaft von dem in träumerischesNichtstun versunkenen Mönchtum im Morgenlande unterschied.
13.Wirkungen des Christentums. — Großes hat das Christen-'tum für die Veredelung der Menschheit geleistet. Unablässig bekämpftees Laster und Sünde und nicht ohne Erfolg; auch die Heiden konntender Sittenreinheit der ersten Christen ihre Anerkennung nicht ver-sagen. Die Kirche nahm Freie und Unfreie, Römer und Barbarengleicherweise in ihren Schoß auf; sie lehrte, daß vor Gott kein Ansehender Person gelte, und verbreitete dadurch die Erkenntnis, daß alle