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Ansturms und dachte eben daran, durch Unterwerfung Germaniensdie Quelle des Unheils zu verstopfen, als ihn im Lager zu Wien einetödliche Krankheit hinraffte. Je mehr sich nach Mark Aurels Toddie innere Ordnung in Rom löste, um fo drohender wurde die Gefahrvon außen. Das gewaltige Reich mit seinen herrlichen angebautenLanden, seinen schätzeerfüllten Städten lockte die beutegierigen Bar-baren unwiderstehlich an. Diese sahen ein, daß die große Zersplitterungihre Kräfte schwäche. Daher verbanden sich im 3. Jahrhundertn. Chr. dievielenkleinendeutschenVölkerschaftenzuwenigengrößerenStämmen,dieunter neuen Namen auftauchten; sodieFranken östlich vom Niederrhein, dieSachsen zwischen Weserund Eider, dieA l a m a nn en oder Sueven (Schwaben) jenseits desPfahlgrabens am Main. Die Alamannen zerstörten um 260 n. Chr.Aventicum, Helvetiens Hauptstadt, und drangen wiederholt über dieAlpen bis in die Nähe Roms, was den Kaiser Aurelian veranlaßte,die Stadt neu zu befestigen. Die Franken dehnten ihre Beutezügebis nach Spanien und Afrika aus, während die Sachsen als Seeräuberdie Küsten Galliens und Britanniens brandschatzten. Im Osten warendie Goten ein furchtbarer Feind, der erste Germanenstamm, demes gelang, dauernd ein Stück vom Römerreiche abzureißen. Von ihrenUrsitzen an der Ostsee und Weichsel waren sie durch die Ebenen desheutigen Rußland aus schwarze Meer gezogen und setzten die ganzeBalkanhalbinsel nebst Kleinasien durch ihre unaufhörlichen Einfällezu Land und zu Wasser in Schrecken, bis ihnen Aurelian die ProvinzDacien (Rumänien) überließ, wo sie sich festsetzten und in O st -und Westgoten teilten. Was jenseits des Rheines und der Donaulag, ging unwiederbringlich an die Germanen verloren, und es bedurfteder ganzen Kraft kriegstüchtiger Herrscher, wie Diokletian, Kon-stantin und Julian, um die beiden Ströme noch ein Jahrhundertlang als Grenze zu halten. So trat ein Stillstand im Vordringen derBarbaren ein, der dem Christentum gestattete, seinen sittigendenEinfluß auf sie zu erstrecken. Unter den Westgoten an der unternDonau lebte um 350 der Arianer Ulfilasals Bischof, der dieBibelinsGotische übersetzte. Sein teilweise noch erhaltenes Werk ist dasälteste deutsche Buch, von dem wir wissen.