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auch die Ostgoten. Sie waren mit den Hunnen nach Ungarn ge-zogen; wie die Westgoten hundert Jahre früher, suchten sie sich jetztneue Wohnsitze in der Balkanhalbinsel, und als es ihnen da nicht ge-lang, inItalien. Unter ihrem Könige Theuderich zogen sie mitWeib und Kind über die Alpen. Odovakar, der sich ihnen entgegen-stellte, wurde in mehreren Schlachten überwunden; aber umsonst be-lagerte ihn Theoderich drei Jahre lang in dem durch seine'Sümpfegeschützten Ravenna. Da half sich der Ostgate durch treulose Hinter-list. Er gewährte dem Odovakar Frieden und nahm ihn zum Mit-regenten an; in den ersten Tagen aber erschlug er ihn meuchlerisch beiTische; gleichzeitig fielen seine Goten über Odovakars Söldner herund metzelten sie alle nieder (493). Im übrigen erwies sich Theoderichder Ostgote als ein kraftvoller, einsichtiger Herrscher, und das schwerheimgesuchte Italien erlebte unter ihm ein kurzes Wiederaufblühendes einfügen Glückes. Die Einwohner mußten zwar den dritten Teilihres Grundeigentums den Goten abtreten, die eine Art Kriegeradelbildeten, blieben aber sonst ungekränkt. Ackerbau, Handel, und Gewerbehoben sich wieder; selbst die Kunst erwachte aus dem Schlummer, indemTheoderich die alten Bauwerke seiner Residenzen Rav enna undVerona aus ihrem Verfalle herstellen ließ und sie durch neue ver-schönerte. Auch ehrte er, obschon er nicht einmal seinen Namen schreibenkonnte, die Wissenschaft und zog die gebildetsten Römer als Ministeran seinen Hof. Nach außen war er höher geachtet, als irgend einFürst seiner Zeit. Niemand wagte ihn anzugreifen; eine Reihe vonGebieten außerhalb Italiens, namentlich die Alpenländer, leistetenihm Gehorsam. Die Westgoten in Spanien anerkannten ihn als Vor-mund ihres unmündigen Königs, und alle germanischen Herrschersuchten seine Freundschaft. So ist es erklärlich, daß er alsDietrichvon Bern (Verona) der Liebling der deutschen Heldensage ge-worden ist.
13. Jnstinian zerstört die Reiche der Wandalen und Ost^goten (533—554). Die Longobarden (568). — Um die Zeit,da Theoderich starb, bestieg in Konstantinopel Iustinianden Thron,der berühmteste Kaiser des oströmischen Reiches. Justinian ließ dieSophienkirche, das gewaltigste Bauwerk in Konstantinopel, erbauen