32
und hat das Verdienst, die Seidenzucht aus Ostasien nach Europaverpslanzt zu haben, indem auf seine Veranlassung Mönche Seiden-raupeneier von China her in sein Reich brachten. Am meisten hataber zu seinem Andenken beigetragen, daß er alle römischen Gesetzeund Verordnungen, sowie die Aussprüche und Erklärungen der großenrömischen Rechtsgelehrten sammeln und sichten ließ. So entstanddasrömischeRechtsbuch (corxmb j uris), das bis auf unsere Zeitdie Grundlage des Rechtsstudiums geblieben ist, das grüßte Erbe,das die Römer der Nachwelt hinterlassen haben. Aber Justiniansuchte auch im Kriege zu glänzen, er wollte das Römerreich wiederin seinem ganzen Umfang herstellen und die entfremdeten Provinzenim Abendlands zurückerobern. Er ließ im Jahre 533 durch seinentrefflichen Feldherrn BelisardieVandalenin Afrika angreifen,die ganz verweichlicht waren und mit ihren Untertanen in ewigemStreite lebten. Denn sie hatten, wie auch die Burgunder, die West-und Ostgoten, zwar bei ihrem Übertritt ins Römerreich das Christen-tum angenommen, aber nach der Lehre des Arius, was den „recht-gläubigen" Römern und ihren Bischöfen ein Gräuel war. In drei Mo-naten hatte Belisar das Reich der Wandalen zerstört, nachdem es einJahrhundert bestanden. Ihr König wurde in Konstantinopel imTriumph aufgeführt, und Afrika war wieder eine römische Provinz.Dieser rasche Erfolg gab dem Kaiser den Mut, sich auch an die Ost-goten in Italien zu wagen. Theoderich hatte nur eine Tochter hinter-lassen, Amalasuntha, eine hochgebildete Frau, die für ihren un-mündigen Sohn die Regierung führte. Als dieser starb und Ama-lasuntha von einem ehrgeizigen Verwandten ermordet wurde, wollteJustinian die Verwirrung benutzen und sandte den Belisar nach Italien.Allein die Goten setzten unter ihren tapfern Königen Totila und Tejaden Oströmern einen schwer zu überwindenden Widerstand entgegen,obwohl ihre italienischen Untertanen sie bei jeder Gelegenheit ver-rieten. Erst nach 19 Jahren rühmlicher und wechselvoller Kämpfeerlagen sie der Kriegskunst eines zweiten großen Feldherrn Justinians,des Nars es, der den Belisar abgelöst hatte. Aber die byzantinischenKaiser erfreuten sich ihrer Eroberung nicht lange. Im Jahr 568 erschienein neues deutsches Volk in Italien, dieLangobarden, die ursprüng-