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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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das Urteil vollstrecken zu helfen. Gewöhnlich fand man den Verfemteneines Tages an einem Baume hängen, in dem ein Messer mit den Buch-staben 8. 8. 6. O. stak, zum Zeichen, daß er von der Feme gerichtet sei.

7. Die Städtebünde. — Wenn trotz solcher Zustände Deutsch-land nicht der ärgsten Verwilderung anheimfiel und sogar in mancherHinsicht fröhlich gedieh, so verdankte es dies der Tätigkeit einzelnerLandesfürsten, vornehmlich aber auch seinen Städten. Überall inEuropa waren die ummauerten Orte kräftig emporgediehen. Einedichte Bevölkerung hatte sich darin angehäuft, deren Hauptnahrungs-quelle Handel und Gewerbe bildeten. Das Gefühl erhöhter Sicherheit,der Stolz auf den erworbenen Wohlstand schwellte den Mut ihrerBürger. Um sich vor roher Gewalt zu schützen, übten sie sich in denWaffen; sie zogen aus, um die Burgen der adligen Räuber zu brechen,und säuberten die Straßen von den Wegelagerern. Da ihre weltlichenund geistlichen Herren sie meist nur aussagen und bedrückten, ihnen aberwenig oder gar keinen Schutz gewährten, so schüttelten sie, wenn immermöglich, deren Herrschaft ab, nahmen die Sorge für Recht, Ordnungund Sicherheit in eigene Hand und stellten selbstgewählte Behördenund Räte an ihre Spitze. So fand der Geist der Freiheit und Mann-hastigkeit, welcher der Bauerschaft des flachen Landes fast ganzabhanden gekommen war, eine Zuflucht hinter den Mauern der Städte.Da kam der Mensch wieder zu seinen natürlichen Rechten, die ihmdas Lehenswesen verkümmert oder geraubt hatte; wer sich in derStadt niederließ, galt als frei, gleichviel, welches Standes er war.Da erblühte im Schirm der Freiheit und gesetzlichen Ordnung zuerstwieder eine rege friedliche Tätigkeit. Da häufte sich ein Reichtum,der nicht auf Raub und Beute, sondern auf Fleiß und Sparsamkeitberuhte, und zogen in seinem Gefolge Bildung, Kunst und Wissenschaftein, die vom 14. Jahrhundert an nicht mehr in der Geistlichkeit undim Adel, sondern im Bürger st and ihre Hauptvertreter fanden.Immer mehr wurde dieser der Kem der Nationen in Italien, Frankreich,England und auch in D e ut s ch l a n d , das in Nord und Süd, in Ostund West von schönen und reichen Städten wimmelte. — Schon umdie Zeit des Interregnums hatten die deutschen Städte untereinanderBünde geschlossen, um mit vereinten Kräften ihre Freiheit gegen die

Oechsli. Bilder II und III. 1. 8