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Ländergier der Fürsten und ihren Wohlstand, die Sicherheit ihresHandels gegen die Raublust des Adels zu verteidigen. Von diesenStädtebünden erlangte keiner so viel Macht und Ruhm, als derjenigeder Hans a.*) Anfänglich nur ein Bund zwischen Lübeck und Ham-burg, umfaßte die Hansa zuletzt fast sämtliche See- und Binnenhandels-städte Nordeuropas von Holland bis Esthland, nahezu 80 an der Zahl.Von London und Brügge bis Bergen in Norwegen und Nowgorodin Rußland befand sich fast der ganze Handel in ihren Händen. IhreFlotten beherrschten die Nord- und Ostsee und demütigten unter derAnführung der Bürgermeister von Lübeck, das der beständige Vorortwar, die mächtigen Könige Dänemarks und Skandinaviens. Anderegroße Bünde vereinigten die rheinischen, schwäbischen und fränki-schen Städte, die durch ihr Gewerbe und ihren Handel mit Italienblühten. Auf diese Weise gelangte das deutsche Bürgertum zu einerMacht, vor der Fürsten und Adel zitterten. So groß wurde zumal dasAnsehen derReichsstädte, daß ihnen am Reichstage neben denFürsten und Kurfürsten Sitz und Stimme eingeräumt werden mußte.Wenn die Kaiser sich mit den Städten gegen die Großen vereint hätten,wie dies in Frankreich von Seite der Könige oft geschehen war, hättedie Macht der Fürsten noch gebrochen und die Einheit des Reicheswieder hergestellt werden können. Allein sie versäumten es, und zurZeit Wenzels wurde der schwäbische Städtebund von dem süd-deutschen Adel unter Graf Eberhard dem Greiner von Württem-berg bei Döffingen aufs Haupt geschlagen (1388). Da gleichzeitigauch die rheinischen und fränkischen Städte schwere Niederlagenerlitten, so sank von da an der politische Einfluß des deutschen Bürger-tums. Die Bünde in Süddeutschland mußten sich auf kaiserlichen Be-fehl auflösen. Auch die Hansa geriet allmählich in Verfall und ver-mochte, obschon sie erst zur Zeit des dreißigjährigen Krieges gänzlichauseinanderfiel, die norddeutschen Städterepubliken mit wenigen Aus-nahmennichtvordemJocheder aufstrebenden Fürstenmacht zubewahren.
*) „Hansen" oder „Gilden" hießen im Mittelalter Verbindungen,welche die deutschen Kaufleute zu ihrem Schutz untereinander schlössen. Dieältesten waren Vereinigungen deutscher Kaufleute im Ausland; in England,Frankreich und Gotland.