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t i ii V., fand sofort überall Anerkennung. Das Schisma war beendigt;aber die Hoffnungen auf gründliche Heilung der Mißbrauche erfülltensich keineswegs. Der neue Papst wußte eine weitere Reform schlauzu hintertreiben, bis er in einer Seuche den schicklichen Vorwand fand,um das Konzil aufzulösen (1418).
4. Wiklis (f 1384) und Hus (f 1415). — Was wäre indes voneiner Versammlung zu erwarten gewesen, die den traurigen Ruhmeines Ketzergerichts nicht verschmähte! Während die Menge das Heilder Kirche von den Konzilien erwartete, hatten einzelne kühne Männerden Mut, auf eigene Faust als Reformatoren aufzutreten. So hatteder gelehrte Engländer Wiklif, der hervorragendste Lehrer an derHochschule zu Oxford, die Herrschsucht und Habgier der Päpste,die Unsittlichkeit des hohen und niederen Klerus in Wort und Schriftaufs schärfste angegriffen. Gestützt auf die Bibel, die er selber insEnglische übersetzte, hatte er sogar gewagt, die Messe, die Beichte,die Bilder- und Heiligenverehrung, das Mönchstum und andereKirchengebräuche als unchristlich zu verwerfen. Anfänglich hatte Wiklismit seinen Lehren im Volke und unter den Großen seines Landes vielAnklang gefunden; allein der Bauernaufstand des Wat Thler erschreckteseine vornehmen Anhänger, die Gegner legten ihm die Aufregung desVolkes zur Last, und während er selbst noch eines ruhigen Todes sterbenkonnte, räumten blutige Verfolgungen unter seinen Jüngern auf. —Dafür schlugen seine Lehren in dem fernen Böhmen neue Wurzeln.Hier begeisterte sich Johannes Hus, Prediger und Professor an derPräger Hochschule, ein tiefernster, nach Wahrheit dürstender Geist, anWiklifs Schriften zum ausharrenden Kampfe gegen die Mißstände inder Kirche, und die Macht seiner Rede, die Reinheit seiner Absichtengewannen ihm die Herzen seiner Landsleute. Weder Bann noch Inter-dikt vermochten ihre Anhänglichkeit an ihn zu brechen. Da lud ihndas Konstanzer Konzil zur Verantwortung vor sich. Hus solgte derAussorderung, bauend aus seine Unschuld und einen Geleitsbries desKaisers, der ihm sichere Heimkehr verbürgte. Kaum war er jedoch inKonstanz angekommen, wurde er gefangen gesetzt, und der elende Sig-mund ließ sich für seinen Wortbruch damit trösten, daß ein Ketzerkeinerlei Anspruch auf Schutz habe. Nach langer Kerkerqual wurde