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Hus 1415 vor das Konzil geführt, das eben den toten Wiklif als Ketzerverdammt hatte, und zum Widerruf seiner Meinungen aufgefordert.Als er sich standhaft weigerte, seine Ueberzeugung zu verleugnen,wurde auch er als Ketzer verurteilt, seines Priestergewandes beraubtund mit der papiernen Ketzermütze auf dem Haupte zum Scheiter-haufen geführt. Im Jahr darauf erlitt sein Freund und Gesinnungs-genosse Hieronymus von Prag dasselbe Schicksal. Aber die Böhmenbrachten ihren geliebten Lehrern ein furchtbares Totenopfer. DieAnhänger des Hus, nach ihm Hussiten genannt, erhoben sich inwildem Zorn und nahmen blutige Rache an Mönchen und Geist-lichen. Vergebens setzte Kaiser Sigmund die Truppen des Reichs gegensie in Bewegung, vergebens ließ der Papst gegen sie das Kreuz predigen.Die Hussiten schlugen unter ihrem kriegstüchtigen Feldherrn, demblinden Ziska, die größten Heere in die Flucht und setzten ein Jahr-zehnt lang ganz Deutschland durch verheerende Raubzüge in Furchtund Schrecken. Erst als sie nach Ziskas Tode unter sich selbst uneinigwurden und einander zerfleischten, konnte Sigmund, indem er denGemäßigten gewisse Zugeständnisse machte, wieder in Böhmeneinziehen; aber die von seinem Vater geschaffene Blüte des Landeslag in Schutt und Trümmern.
5. Konzil von Basel (1431—1448). Alexander VI. undSavonarola (1498). — Noch während des Hussitenkrieges warabermals ein Konzil in Basel zusammengetreten. Dieses nahm mitentschlossenem Mute den Kampf gegen die Mißbräuche der römischenKurie auf; einen Papst, der sich ihm entgegenstellte, erklärte es sogarfür abgesetzt. Aber es sah sich außer stände, seinen Beschlüssen Kraftzu verleihen, da der Papst den Kaiser Friedrich III. und die meistenFürsten für sich zu gewinnen wußte, und es mußte unverrichteter Sacheauseinandergehen. So war es offenbar geworden, daß von den Kon-zilien keine Heilung der Schäden der Kirche erwartet werden durfte.Um den apostolischen Stuhl aber wurde es je länger je schlimmerbestellt. Entweder waren seine Inhaber humanistisch gebildete Lebe-männer, die leidenschaftlich Bücher sammelten und schöne Bautenerrichteten, aber wenig kirchliche Gesinnung hegten, oder es warengeradezu Nichtswürdige, wie der Spanier Al e x and er VI. aus dem
LechsIi, Bilder II und III. 1. 9