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Hause Borgia, der an Schamlosigkeit und Grausamkeit den schlechtestenrömischen Kaisern ebenbürtig war. Zur Zeit dieses verworfenenPapstes erhob sich noch einmal eine mächtige Stimme gegen die herr-schende Verderbnis. In Florenz, das eben die Medici vertriebenund die Demokratie wieder hergestellt hatte, gewann der Dominikaner-mönch Savonarola durch seine herzerschütternde Beredsamkeit einensolchen Einfluß, daß Männer und Frauen aus den vornehmsten Häusernihre Luxussachen öffentlich verbrannten, um ein neues sittenstrengesLeben zu beginnen. In seinen Predigten schonte Savonarola auch desPapstes nicht. Als ihn dieser zum Schweigen zu bringen suchte, indemer ihm den Kardinalshut anbot, ließ er ihm sagen, er begehre keinenandern roten Hut als den der Märtyrer. Da schleuderte Alexandergegen ihn den Bann. Savonarola kümmerte sich nicht darum, aberbald darauf kamen seine Gegner in Florenz obenauf. Er wurde ver-haftet und starb, vom Papst als Ketzer und von der Regierung als Auf-rührer verurteilt, am Galgen. Schon trug sich Alexander VI. mit demPlane, den römischen Stuhl in ein erbliches Fürstentum für seinenSohn, Cäsar Borgia, der des Brudermordes verdächtig war undjedes Verbrechens für fähig galt, umzuwandeln, da soll er aus Versehenvergifteten Wein, den er bei einer Mahlzeit einem Kardinal zugedachthatte, getrunken haben, und daran gestorben sein. Wohin war es mitder Kirche gekommen, daß ein solcher Mensch 11 Jahre lang ungestraftan ihrer Spitze schalten konnte?
VI. Islam und Christentum.
Zinkeisen, Geschichte des osmanischen Reiches, 7 Bde. k^escott, tiistor^ ok tke reißnok?eräinan6 un6 IsubeUs, 3 Bde., deutsch in 2 Bdn.
1. Untergang d es Kalifenreiches (1258). — Während daschristliche Abendland trotz des Verfalles seiner Kirche einer immer größe-ren Zukunft entgegenreifte, war über die Welt des Islams der Hauchdes Todes gefahren. In dem wüsten Hochlande derMongolei warum das Jahr 1200 ein Eroberer aufgetreten, Dschingischan genannt,der durch seine Züge wie durch seine wilde Grausamkeit selbst einenAttila verdunkelte und sich fast ganz Asien unterwarf. Unter seinenNachfolgern wälzten sich die Mongolen auch nach Europa hinein, unter-