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kriegstüchtige Mongole Timurlenk (d. h. der Lahme) hatte um 1380das Reich Dschingischans wieder hergestellt und von Moskau bis Dehli,von der chinesischen Mauer bis zum Mittelmeer alle Völker elend ge-macht, überall rauchende Städte und Schädelpyramiden als Denk-mäler seiner 35 Feldzüge hinterlassend. Jetzt griff er auch die Türkenan; bei Angora in Kleinasien stellte sich ihm Bajazet entgegen undwurde geschlagen, gefangen und von dem Sieger bis an sein Ende ineinem vergitterten Käfig herumgeführt.
3. Eroberung Konstantinopels (1453). — Nach TimursTode ging das Mongolenreich abermals in Stücke, und die Osmanenerhoben sich wieder. Schon residierten ihre Sultane fast ein Jahrhun-dert in Adrianopel, als der berühmteste derselben, Mohammed II.beschloß, dem Scheinleben des griechischen Reiches durch EroberungKonstantinopels ein Ende zu machen. Das Abendland, das einstzur Eroberung des fernen Jerusalem Millionen von Menschenlebenverschwendete, tat nichts für die Verteidigung des Schlüssels zu Europa.Das einzige Genua schickte dem griechischen Kaiser einige Hilfe. Dieser,der den Namen Konstantins, des Gründers der Stadt, trug, warentschlossen, wenigstens ehrenvoll unterzugehen. Obschon er aus derverweichlichten Weltstadt kaum 6000 Waffenfähige auftreiben konnte,hielt er sich im Verein mit Giustiniani, dem tapferen Befehlshaberder Genüssen, fast zwei Monate lang gegen die ungeheuren ScharenMohammeds. Als schon weite Breschen in den Mauern klafften, er-folgte am 29. Mai 1453 der Sturm. Giustiniani wurde verwundet,Konstantin starb den Heldentod, die Bevölkerung wurde niedergemetzeltoder in die Sklaverei geschleppt, und in der Sophienkirche erscholl dertürkische Allahrus. Der Fall Konstantinopels erfüllte die Christenheitmit Schrecken und Trauer. Schon drohte der wilde Sieger, seineRosse in der Peterskirche zu füttern, und versuchte in Ungarn einzu-brechen. Da hemmte Johannes Hunyadi, der größte Held desungarischen Volkes, der die Türken schon wiederholt geschlagen hatte,Mohammeds Siegeslauf, indem er dem Sultan vor Belgrad eineschmähliche Niederlage bereitete (1456). Allein die Balkanhalbinselwar der europäischen Gesittung verloren. Barbaren geboten jetztüber sie, die durch Abstammung, Sitte und Religion, wie durch eine