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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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unausfüllbare Kluft, von den Besiegten getrennt, sich nie mit ihnenverschmelzen und nur durch die roheste Gewalt ihre Herrschaft aufrechterhalten konnten. Zu welchen Mitteln sie dabei greifen mußten, zeigteein Gesetz Mohammeds II., das, um Zerrüttungen im Herrscherhausevorzubeugen, es jedem Sultan zur Pflicht machte, bei der Thron-besteigung alle seine Bruder zu ermorden. Die Untertanen gewaltsamzum Islam zu bekehren, verschmähten sie; dagegen wurde ein großerTeil zu Leibeigenen gemacht und samt ihren Gütern als Lehen anTürken gegen die Verpflichtung zum Reiterdienst verteilt. Alle Christenmußten schwere Steuern entrichten und Frondienste leisten. Amdrückendsten war derKnabenzins". Alle fünf Jahre wurden nämlichdie schönsten und kräftigsten Christenknaben ihren Eltern entrissen,im Islam auferzogen und zum Kriegerberufe vorbereitet. Darausging das gefürchtete Fußvolk derJanitscharen hervor, das die vor-züglichste Stütze des osmanischen Reiches wurde.

4. Der Fall Granadas (1492). Während der Islam sichin der östlichen der drei Halbinseln Südeuropas festsetzte, ging ihmdafür die westliche verloren. Der Kalifat von Cordova war nacheiner herrlichen Blüte verfallen und hatte sich in eine Menge kleiner,unter sich uneiniger Reiche aufgelöst. Wenn die Mauren, wie mandie Mohammedaner in Spanien nannte, nicht schneller den Christenunterlagen, so geschah es, weil auch diese ihre Kraft geteilt hatten undin mehrere Staaten zersplittert waren. Um die Mitte des 15. Jahr-hunderts waren es noch vier, drei größere, Portugal an der West-küste, Kastilien in der Mitte und Arago n im Osten, und ein kleineres,Navarra, zu beiden Seiten der Pyrenäen. Portugal, nachdem essein Südende erreicht, hatte sich auf die Seefahrt geworfen. Aragonhatte sich im Mittelmeer ausgebreitet, Sardinien und Sizilien ge-wonnen; auf Kastilien war dagegen der Löwenanteil der den Maurenabgenommenen Ländermasse gefallen. Nur im äußersten Süden, aufden Abhängen der Sierra Nevada, bestand noch ein kleines moham-medanisches Königreich mit der Hauptstadt Granada. Da ver-mählte sich im Jahre 1469 der staatskluge Ferdinand von Aragonmit der schönen Isabella, der Thronerbin von Kastilien, und von1479 an regierten die beiden ihre Länder gemeinsam, wodurch der