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der Fürsten ließ nach dem Beispiele Friedrichs des Weisen der Be-wegung freien Lauf. Andere, namentlich die geistlichen, suchten nachdem Vorgang des Kaisers, der in seinen Erblonden mit Feuer undSchwert dagegen wütete, sie mit Gewalt zu ersticken. Dies bewirktejedoch nur, daß auch auf der anderen Seite der Gedanke reiste, gleichesmit gleichem zu vergelten. Der unermüdliche Ulrich von Hüttenplante eine gewaltsame Umwälzung, die dem Evangelium Bahnbrechen und zugleich durch den Sturz der Fürstenmacht Deutschlandseine Einheit und Größe wiedergeben sollte. Dabei baute er auf seineStandesgenossen vorn niederen Adel, die den Fürsten grollten,freilich hauptsächlich deshalb, weil sie ihrem Lieblingshandwerk, demStraßenraub und dem Fehdewesen, immer schärfer zu Leibe gingen.Den rechten Führer dieses Adelserhebung glaubte Hütten inFranzvon Sickingen gesunden zu haben, der sich als glücklicher Söldner-führer zu solchem Ansehen und Reichtum emporgeschwungen hatte,daß er als der mächtigste Mann Deutschlands galt. Wirklich machteSickingen den Anfang, indem er den geistlichen Kurfürsten von Trierunversehens mit Kriegsvolk überfiel. Aber die benachbarten Fürsteneilten diesem zu Hilfe, Sickingen mußte der Übermacht weichen undsiel bei der Verteidigung seiner Burgen, die dem Geschütz seiner Gegnernicht stand hielten. Ulrich von Hütten floh geächtet in die Schweiz,und der edle Zwingli bereitete dem todkranken Helden des Schwertesund der Feder auf der Ufenau im Zürichsee ein Asyl, wo er ruhigsterben konnte.
10. Der B auernkrieg (1525). Die Wiedertäufer inMünster (1534). — Aber schon bereitete sich eine andere, weit furcht-barere Erhebung unter den deutschen Bauern vor, die in unsäglicherBedrückung schmachteten. Großenteils waren sie noch Unfreie, d. h.ein mit dem Grundstück verkäufliches Eigentum. Der Leibeigene mußtesamt seinen Kindern der Herrschaft zu Gebote stehen, wann es ihrbeliebte. Während seine Hütte zerfiel, hatte er am Schloß zu bauenund, bevor er an seinen Acker denken durste, den des Herrn zu be-stellen; die Hälfte der Woche, wenn nicht mehr, verging ihm in Fron-diensten. Starb er, so nahm der Herr das beste Stück aus seiner Habeder Witwe oder den Waisen vorweg als sogenannten Todfall, zum