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vereinten Fürsten und Herren. Unmenschliche Rache übten die Sieger,namentlich die katholischen. Zu Tausenden wurden die Unglücklichengeblendet, verstümmelt, gehängt, gespießt, gerädert und verbrannt, undan den meisten Orten wurde die Lage der Bauern elender und ge-drückter als zuvor. — Neun Jahre später slackerte noch einmal zuMünster in Westfalen ein wahnsinniges Treiben im Sinne Münzersauf. Wiedertäufer aus Holland kamen dorthin und gewannen einenTeil der Bürgerschaft für ihr phantastisches Gottesreich, in welchemGütergemeinschaft und Vielweiberei eine Hauptrolle spielten. Wer sichihnen nicht anschloß, wurde vertrieben oder getötet; ihr Haupt, Jo-h a n n, ein Schneider vonLeyden, der sich König nannte, enthaupteteeine seiner Frauen mit eigener Hand, weil sie an seinen Verheißungenzweifelte. Zuletzt wurde die Stadt von einem Reichsheere einge-schlossen, nach hartnäckiger Verteidigung genommen und Johann mitden übrigen Anführern zu Tode gemartert. Dies traurige Ende nahmder Versuch der gedrückten Volksklassen, mit der kirchlichen Reform aucheine Besserung ihrer irdischen Lage zu verbinden.
11. Ausbreitung der Reformation. — Einen Augenblickhatte es den Anschein, als würde mit dem Bauernaufruhr auch dielutherische Bewegung, die man als seine Ursache betrachtete, im Bluteerstickt. In Süddeutschland machten die Reisigen des schwäbischenBundes nach der Niederwerfung der Bauern Jagd auf die evan-gelischen Prediger und hingen sie längs den Landstraßen an Bäumenauf. Aber Kurfürst Johann „der Beständige" blieb der kirchlichenNeuerung, deren eifriger Anhänger er war, unerschütterlich treu.Unter seinem Schutze führte Luther die begonnene Umgestaltungder Kirche in Sachsen glücklich zu Ende. Dabeiwar Philipp Schwarz-erd oder Melanchthon, wie sein Name ins Griechische übersetztlautete, aus Breiten in der Pfalz sein treuer Gehilfe. Schon im21. Jahre von Erasmus als einer der gelehrtesten Humanisten ge-priesen, war Melanchthon auf Reuchlins Empfehlung von KurfürstFriedrich als Professor des Griechischen nach Wittenberg berufen wor-den, wo er alsbald innige Freundschaft mit Luther schloß. Die beidenNaturen ergänzten sich vortrefflich. Wie dieser mehr zu Sturm undKampf, zum „Ausreuten und Bahnbrechen" geschaffen war, so eignete