170 —
das ganze Reich. Wo der Volkswille etwas zu bedeuten hatte, wiein den Reichsstädten, wurde sie eingeführt, und auch manche Fürstenbefreundeten sich damit, wozu freilich die lockende Aussicht auf dieeinzuziehenden Reichtümer der Kirche auch das ihrige beitragen mochte.Der bedeutendste war der junge, feurige Landgraf Philipp vonHessen, der neben dem sächsischen Kurfürsten das politische Hauptder Reformation wurde. Wie man den Übertritt zur neuen Lehremit dem persönlichen Vorteile verbinden konnte, zeigte das Beispieldes Hochmeisters des Deutschordens in P r e u ß e n, des HohenzollersAlbrecht von Brandenburg, der den Orden für aufgehobenerklärte und das Land desselben mit Hilfe des Königs von Polenals ein unter polnischer Oberlehensherrlichkeit stehendes erblichesHerzogtum an sich riß (1525).
IV. Karl V.
1. Die Franzosen und Schweizer in Italien (1494 bis1515). — Wenn bei der Reformation und den gewaltigen Erschütterun-gen, die sie für Deutschland im Gefolge hatte, vom Kaiser kaum dieRede war, so hatte das seinen Grund darin, daß Karl V. meist vonDeutschland abwesend und mit großen Welthändeln vollauf beschäftigtwar. Die Hauptveranlassung dazu gabItalien. Die Zersplitterungdes herrlichen Landes hatte unter den benachbarten Mächten das Gelüsteerweckt, es zu unterwerfen, namentlich bei den mächtigen französischenKönigen. Schon Ludwigs XI. Sohn, Karl VIII., eroberte Neapel,freilich ohne es auf die Dauer halten zu können. Sein NachfolgerLudwig XII. mußte dies Reich Ferdinand dem Katholischen vonSpanien überlassen; dafür riß er Mailand an sich unter dem Vor-wande, er sei durch seine Großmutter, eine Visconti, der rechtmäßigeErbe dieses längst ausgestorbenen Hauses. Wenig fehlte, daß auch dasstolze Venedig einem gewaltigen Bunde erlegen wäre, den KaiserMaximilian, Ludwig XII. von Frankreich, Ferdinand vonSpanien und Papst Julius II. in Cambray zur Vernichtung derRepublik schlössen (Liga von Cambray). Aber den Papst gereute dieseHandlung bald; er sprengte den Bund und wandte fortan sein ganzes