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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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es sandte ebenfalls Schiffe nach Ostindien und gründete eine ostindi s ch eKompagnie, die sich dort festsetzte, wenn auch zunächst ihre Fort-schritte im Vergleich zu der holländischen wenig bedeuteten (1600).Schon früher hatte WalterRaleigh,ein hervorragender Staats-mann Elisabeths, die Aufmerksamkeit seiner Landsleute auf das ver-gessene Nordamerika gelenkt und 1585 den ersten Versuch zur Be-siedelung des Gebietes gemacht^ das er zu Ehren der unvermähltenKönigin Virginien, d. i. Jungfrauland, nannte. Auch im Bergbauund Gewerbefleiß machten die Engländer erhebliche Fortschritte, kurz,überall traten zu Elisabeths Zeit die Keime der künftigen See- undKolonialmacht des Jnselreiches, die Anfänge seiner Blüte in Handelund Industrie zu Tage, während zugleich gegen das Ende ihrer Regierungdie englische Dichtung in Shakespeares Dramen ihren Höhepunkterreichte.

10. Verfall Spaniens unter den letzten Habsburgern.Das Gegenstück hiezu bildet der ebenso tiefe als jähe Sturz der spa-nischen Monarchie. Philipp II. hatte erklärt, er wolle lieber überBettler als über Ketzer regieren. Diesem Grundsätze gemäß trieb seinSohn Philipp III. 1609 alle Moriskos aus demLande, daihreRecht-gläubigkeit zweifelhaft war und man doch nicht alle verbrennen konnte,gegen eine Million der fleißigsten Ackerbauer und Gewerbetreibendender Halbinsel, so daß ganze Provinzen verödeten. Andere verkehrteMaßregeln vollendeten den Ruin des Ackerbaues, des Gewerbes, desHandels und der Seefahrt. Der Staat wurde durch die beständigenKriege, die sinnlose Verschwendung des Hofes und die Betrügereiender hohen und niederen Beamten in eine Schuldenlast gestürzt, gegenwelche das Silber Amerikas nur ein Tropfen im Meere war; daher er-preßte man dem Volke Steuern, welche den Landmann von Haus undHof trieben und dem Handwerker wie dem Kaufmann seinen Berufunmöglich machten. Mit Riesenschritten ging das von Natur so ge-segnete Land der Verarmung und Entvölkerung entgegen; Städte undDörfer fielen in Trümmer. Portugal, Neapel und Sizilien warenwomöglich noch schlimmer dran, und auch Belgien war nur noch einSchatten seiner selbst; sah doch Antwerpen während eines halben Jahr-hunderts kein einziges Seeschiff. Noch zeigte sich ein Nachklang der