207
alten Größe inder Literatur und Kunst; Lopede Vega, derüber zwanzigMillionen Verse geschrieben haben soll, und Calderon, der Fürst derkastilischenDichter, bereichertenim 17. Jahrhundert das spanische Theatermit einer Fülle poesievoller Schauspiele. Die Spanier Velasquez(1599—1660) und Murillo (1617—1682)undderAntwerpenerRubens(1577—1640) zählen zu den größten Meistern der Malerei. Allmählicherstickte jedoch die Inquisition auch diese geistige Blüte, und eine dumpseTrägheit, eine unglaubliche Unwissenheit lagerte sich über alle Stände.Um das Jahr 1700 gab es kaum einen gebildeten Arzt in Spanien, wohlaber 9000 gutbesetzte Mannsklöster und noch viel mehr Frauenklöster;alle Stellungen, die irgend höhere Bildung und Intelligenz erforderten,mußten von Fremden bekleidet werden. Die letzten spanischen Habs-burger, Philipp IV. und Karl II., traurige Schwächlinge — schliefdoch der letztere aus Furcht vor Gespenstern nie anders als in Gesell-schaft von drei Priestern — spiegelten gleichsam den Verfall der ganzenMonarchie wieder. Unter ihnen ging auch die ehedem so gefürchteteKriegstüchtigkeit der Spanier verloren. Im Jahre 1640 schütteltePortugal das verhaßte Joch ab und machte sich wieder zum selb-ständigen Staate unter dem Hause Braganza. Ungestraft riß Frank-reich ein Grenzland um das andere an sich und wurde nur durch dieEifersucht der übrigen Mächte von weitergehenden Eroberungen ab-gehalten. So war Spanien binnen zwei Menschenaltern aus demersten Staat Europas das Gespött der Welt geworden, ein warnendesBeispiel, wohin religiöse und politische Knechtschaft selbst ein begabtesVolk bringen kann.
II. Die Hugenottenkriege und Heinrich IV. von Frankreich.
Martin, tavisse, s. S. I. philippson, s. S. 186. Hanke, Französische Geschichte, vor-nehmlich im 16 . und 17. Jahrhundert, 5 Bde. 5oldan, Geschichte des Protestantismus inFrankreich bis zum Tode Karls IX., 2 Bde. y. polenr, Geschichte des französischen Calvinis-mus, 5 Bde. Ludwig Psyffer und seine Zeit, 3 Bde. Marck5, Gaspard von Coligny
und das Frankreich seiner Zeit. Laumgarten, Bor der Bartholomäusnacht. ?oir5vn, ttistoiieäu rö^ne cle Henri IV., 4 Bde. philippson, Heinrich IV. und Philipp III., 3 Bde.
1. Das Blutbad von Vassy (1562). — Gleichzeitig mit denNiederlanden hatte auch Frankreich alle Schrecken eines endlosenGlaubenskrieges durchgemacht. Während FranzI. und sein SohnHeinrich II. aus Politik die Reformation in Deutschland unterstützten,