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Kampfgewühle erblickte. Aber er war nicht im stände, die Städte zubezwingen. Paris zumal leistete ihm einen Widerstand, der einerbesseren Sache wert gewesen wäre, und zweimal, als er sich am Zieleglaubte, erschien AlexanderFarneseim Auftrage Philipps II.von den Niederlanden her, vor dessen überlegenen Truppen er zurück-weichen mußte. Schon schickte sich die Ligue an, Frankreich völlig anPhilipp II. zu überliefern; man war nur noch nicht einig, auf welcheWeise dies geschehen sollte. Da entschloß sich Heinrich IV. auf die Bittenpatriotischer Katholiken und Protestanten, sein Land zu retten, indemer 1593 öffentlich zum Katholizismus übertrat und dadurch die Schranken,die ihn von seinem Volke trennten, niederriß. Jetzt brach die Liguewie durch Zanberschlag zusammen; eine Stadt um die andere, einFührer nach dem anderen bot dem König die Unterwerfung an, und diesererleichterte ihnen den Schritt durch seine milde Versöhnlichkeit. AuchParis öffnete ihm jetzt die Tore, und unter dem Jauchzen derselbenMenge, die ihn noch eben verwünscht, nahm er von der Hauptstadtohne Schwertstreich Besitz. So sah Philipp II. auch hier seine Ab-sichten durchkreuzt;imFriedenvonVervins mußte er Heinrich IV.als König von Frankreich anerkennen und ihm die von den Spaniernbesetzten Plätze zurückgeben (1598). In demselben Jahre verschwanddie letzte Spur der Ligue und schloß Heinrich die Aera der Religions-kriege durch das berühmte Edikt von Nantes, worin er seinen ehe-maligen Glaubensgenossen bürgerliche Gleichstellung mit den Katho-liken und freie Ausübung ihres Gottesdienstes zusicherte mit gewissenEinschränkungen, welche ihm dieRücksicht aufdenimmerfortglimmendenHaß der Katholiken auferlegte. Auch so stieß das Edikt auf erbittertenWiderstand, aber der König setzte es durch und ließ den Hugenottenfür alle Fälle ihre Sicherheitsplätze. — Nun wandte sich Heinrich IV.mit edlem Eifer der Aufgabe zu, die Wunden des Bürgerkrieges zuheilen. Er hatte das Glück, dabei an einem seiner reformierten Kampf-genossen, dem Herzog von Sully, einen ausgezeichneten Mitarbeiterzu finden, der es verstand, die gänzlich zerrüttete Geldwirtschaft desStaates durch strenge Sparsamkeit wieder in Ordnung zu bringenund die Steuerlast des Volkes zu vermindern. Dabei scheute er sichnicht, dem König es in scharfen Worten zu verweisen, wenn er sich