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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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einem angeborenen Hang zum Leichtsinn hingab. Ihr Hauptaugen-merk richteten die beiden darauf, die Quellen des Nationalwohlstandeszu heben. Während Sully mehr den Ackerbau und die Viehzuchtbegünstigte, die er die wahren Silberminen des Staates nannte,suchte Heinrich IV. durch Herbeiziehung fremder Arbeiter und Ermuti-gungen aller Art den Gewerbesleiß zu fördern; seinen Bemühungenvornehmlich verdankt Frankreich die Einbürgerung der für das Landso hoch wichtigen Seidenzucht und Seidenindustrie. Um denHandel zu erleichtern, baute Sully ein Netz von schönen Straßen, wiesie damals noch kein Land in Europa besaß, errichtete Brücken undKanäle und machte Flüsse schiffbar. Auch trug sich Heinrich-IV. mitgroßartigen Plänen zur Belebung der Seefahrt. Auf seinen Antriebstiftete der französische Edelmann Champlain die Kolonie Kanada,indem er 1608 den Lorenzostrom befuhr und den Grundstein zu denStädten Quebek und Montreal legte. Wenn auch Heinrichs bekanntesWort, jeder Bauer solle am Sonntag sein Huhn im Topfe haben,sich nicht buchstäblich erfüllte, erholte sich doch Frankreich unter ihmso schnell, daß er nach außen als ein mächtiger Herrscher auftretenkonnte. Sein Plan war, das HausHabsburg, das er als FrankreichsErbfeind betrachtete, zu schwächen und zu schädigen, wo er konnte.Im Jahre 1610 gedachte er, den oom Kaiser bedrohten deutschenProtestanten zu Hilfe zu ziehen und zugleich die Habsburger in Italienund Spanien anzugreifen. Schon war alles zum Aufbruche bereit. DerKönig fuhr noch einmal in den Straßen von Paris spazieren; da sprang,als der Wagen zufälligerweise still hielt, ein Mensch aus das Rad undversetzte dem Ahnungslosen zwei tödliche Stiche. Der Elende, dessenHand die Geschicke der Welt änderte, hieß Franz Ravaillac; aufder Folter gestand er, daß ihn einzig der Haß gegen den Beschützerder Ketzer zu der Tat getrieben, und unter den Verwünschungendes Volkes erlitt er einen gräßlichen Tod. Für Frankreich warder vorzeitige Hinschied dieses größten seiner Könige einschwerer Schlag; noch verhängnisvoller wurde er für Deutsch-land, dem allem Anschein nach bei längerem Leben HeinrichsIV. die Greuel des dreißigjährigen Krieges erspart gebliebenwären.