Buch 
Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
Seite
219
JPEG-Download
 

219

zu bemächtigen, rückte Waldstein in denHerzogtümern Mecklenburgund Pommern einund ließ sich das erstere sogar vom Kaiser als Er-satz für die von ihm ausgelegten Gelder als Eigentum zusprechen,obschon diese Länder am Kriege gar keinen Teil genommen. Schonplante Wallenstein, den der Kaiser zuntGeneral des Baltischen undOzeanischen Meeres" ernannte, die Bildung einer großen Flotte,um die Holländer und Schweden zu vernichten und den Norden Eu-ropas den Habsburgern zu unterwerfen. Da wagte das feste Stral-fund, von schwedischer Hilfe unterstützt, seinen Mißhandlungen Trotzzu bieten; er rahlte, es zu erobern und wenn es mit Ketten an denHimmel gebunden wäre, mußte aber doch zuletzt abziehen, nachdemer 12,000 Mann vor den Mauern der Stadt eingebüßt hatte. DieserMißerfolg machte den Kaiser zum Frieden mit Christian IV. geneigt;gegen das Versprechen, sich nicht mehr in Deutschland einzumischen,erhielt der Dänenkönig seine Länder zurück (1629).

5.Das Restitutionsedikt und Waldsteins Entsetzung(162930). Dafür machte sich nun Ferdinand II. daran, ganzDeutschland in den Schoß der katholischen Kirche zurückzuführen.Er erließ 1629 das sogenannte Restitutionsedikt, wonach alle seitdem Passauervertrage eingezogenen Kirchengüter, Abteien und Bis-tümer den Katholiken zurückgegeben und nur noch Lutheraner, aberkeine Reformierten mehr im Reiche geduldet werden sollten. DerAugsburger Religionsfriede mit seinem geistlichen Vorbehalt undseiner Ausschließung der Nichtlutheraner lieh ihm einen Schein vonRecht. Aber nicht nur wären ganze Länder als calvinisch rechtlosgeworden; mitten im lutherischen Norden Deutschlands würden eineMenge von ehemals geistlichen Gebieten, die jetzt ganz evangelisch waren,wieder unter die Herrschaft von katholischen Bischöfen und Erzbischösengekommen sein, denen der Kaiser ausdrücklich das Recht vorbehielt,ihre Untertanen zum Katholizismus zu zwingen. Daß es auf dieVernichtung des Protestantismus abgesehen war, zeigte auch die Be-handlung der Reichsstädte, namentlich Augsburgs, wo der evange-lische Gottesdienst einfach unterdrückt wurde. Die Protestantenjammerten und liehen sich alles gefallen; das einzige Magdeburghatte den Mut, sich der Ausführung des Ediktes zu widersetzen. Fer-