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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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hielt er in seinem Lager beiBend er einem ganzen Türkenheere standund ließ über solchen Heldentaten, die den Janitscharen grenzenloseBewunderung für denEisenkops" abzwangen, sein Reich zu Grundegehen. Denn die Dänen und Polen hatten sich wieder im Bundmit dem Zaren gegen Schweden erhoben, und zu den alten Feindengesellten sich inderAussicht auf leichten Gewinn zwei neue, Preußenund Hannover. Erst als alle seine Besitzungen diesseits der Ostseebis aufStralsund verloren gegangen waren, entschloß sich Karl zurHeimkehr. In 14 Tagen ritt er von der Türkei nach Stralsund, daser jedoch nicht mehr zu retten vermochte. Dafür wollte er sich anDänmeark schadlos halten und griff Norwegen an, wurde aber bei derBelagerung der Feste Friedrichshall erschossen (1718). Sein Land,am Rande des Abgrundes, an Geld und Menschen völlig erschöpft,mußte Frieden schließen um jeden Preis. Im Vertrage zu Nystadt(1721) überließ es Rußland die schönen Ostseeprovinzen Livland ,Esthland, Jngermannland und Karelien, nachdem esschon vorher die Hälfte Pommerns an Preußen, Bremen und Werden anHannover abgetreten hatte, So sank Schwedens Großmachtstellungdahin, und Rußland trat an seine Stelle.

7. Peter der Große und seine Nachfolger. Peter I. aberhielt sich für berechtigt, denTiteldesGroßen anzunehmen. Die Nach-welt hat ihm denselben gelassen, ob mit Recht? Wenn Rußland unterihm zur gewaltigen Militärmacht wurde, wenn es sich die mechanischenFertigkeiten des Abendlandes aneignete, so darf nicht vergessen werden,daß die ihm aufgezwungene Kultur zunächst doch nur eine Scheinkulturwar. Peter selbst blieb trotz seiner genialen Anlagen Zeit seines Lebensein echt asiatischer Barbar, roh und zügellos in Sitten und Begierden,gewalttätig und grausam bis zum Wahnsinn.*) In seinem Lande

ch Naher besehen, bietet Peters Leben zum Teil ein Bild dar, daseher eines Königs von Dahomey würdig ist, als des Zivilisators von Ruß-land. Selten verging ihm ein Tag ohne Brannlweinrausch. Eines seinerHauptvergnügen bestand darin, beim Foltern, Knuten und Hinrichten seinerOpfer selbst Hand anzulegen. Nicht nur Alexei, sondern auch seine erste(verstoßene) Gemahlin und eine seiner Schwestern soll er eigenhändig ge-foltert und geknutet haben. Bei einer Mahlzeit, wo es lustig herging, ließ