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Die Raubkriege Ludwigs XIV. Die Reunionskammer».
1. Mehrere Kriege, die Ludwig ohne jeden Grund undaus reiner Eroberungslust führte, und durch die er Frankreichden Vorrang in Europa verschaffen wollte, werden Raub-kriege genannt.
2. Den ersten Raubkrieg (1667—1668) führte Ludwigohne rechtlichen Grund gegen Spanien, dem er die Nieder-lande als eine Erbschaft seiner Gemahlin, einer spani-sch e n I n f a n t i n , nach dem Tode ihres Vaters, des KönigsPhilipps IV., entreißen wollte. Aber Holland, Eng-land und Schweden schlössen miteinander gegen die Er-— . . — oberungslust Ludwigs einen Dreibund
I"'"' (Tripelallianz). Dies Bündnis nötigte
Friede zu jhf, 1668 zum Frieden zu Aachen, in der» er_ aber 12 Grenzstädte in den spanischen Nieder-landen erhielt.
3. Der zweite Raubkrieg (1672—1678) galt der RepublikHolland, um an ihr wegen des Bündnisses Rache zu nehmen.Er sprengte den Dreibund und brachte Schweden, Eng-land und mehrere deutsche Fürsten auf seine Seite. Miteinem großen Heere fiel er 1672 ohne Kriegserklärung inHolland ein. Aber Friedrich Wilhelm von Bran-denburg, Kaiser Leopold I. und Spanien ergriffenfür das bedrängte Holland die Waffen. Der StatthalterWilhelm III. von Oranien ließ die Dämme durch-stechen und hinderte dadurch das Vordringen der Franzosen.Um den Großen Kurfürsten vorn Rheine zu entfernen,schickte ihm Ludwig die Schweden ins Land. Doch be-siegte Friedrich Wilhelm diese in der ruhmreichenSchlacht bei Fehrbellin (28. Juni 1675) und jagte sie in denfolgenden Jahren aus Pommern und, als sie von Livlandaus inPreußen einfielen, auch aus diesem Lande. Inzwischenhatte Ludwig den Frieden zu Nymwegeu* („Nimmweg!"1678) geschlossen, dem im folgenden Jahre auch der Kaiser unddas Reich beitraten. Holland verlor nichts. Dagegen er-hielt Ludwig von Spanien die burguudischeFreigrafschaft (die Uranclie Eomte) und einige weitere
* Nhmwegen, Festung an der Waal in der holländischenProvinz Geldern.