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lichen Meinung und von der Kriegspartei am Hofe gedrängt,begann Napoleon, zum Kriege zu rüsten. Dem Heere wur-den nach preußischem Vorbilde noch Reserven und Mobilgardenhinzugefügt und das dem Zündnadelgewehr überlegene Chasse-potgewehr und die Mitrailleusen eingeführt. Auch wurdenim geheimen mit Österreich und Italien Unterhandlungenangeknüpft, die dahin führten, daß sich die Mächte über gegen-seitige Hilfe in einem Kampfe gegen Preußen einigten. Fürden Beginn des Krieges fehlte es nur noch an einem gün-stigen Vorwand.
4. Diesen fand man endlich darin, daß die Spanier dieKrone ihres Landes dem Prinzen Leopold von Hohen-zollern-Sigmaringen anboten. Dieser nahm die Kroneunter Zustimmung König Wilhelms an. Aber die franzö-fische Regierung stellte die Thronfolge des HohenzollernschenPrinzen als einen Kriegsfall hin. König Wilhelm aber lehntees ab, dem Prinzen die Annahme der Krone zu verbieten,wie Frankreich verlangt hatte.
5. Jetzt lehnte Prinz Leopold, um nicht den Weltfriedenzu stören, die spanische Krone ab, was der französischen Re-gierung amtlich mitgeteilt wurde. Damit schien dieser Zwischen-fall beseitigt und jeder Anlaß zum Kriege gehoben. Aber inFrankreich wollte man den Krieg und suchte nach einem Vor-wande.
6. Auf das Drängen der Kriegspartei am kaiserlichenHofe. vor allem des Ministers Gramont und des Kriegs-ministers Leboeuf, ließ Napoleon durch den französischenGesandten am Preußischen Hofe, Benedetti, von KönigWilhelm, der sich eben zur Kur in Bad Ems befand, ver-langen: der König möge sich verpflichten, dem Prinzen vonHohenzollern niemals die Annahme der spanischen Krone zuerlauben, auch wegen des Vorgefallenen eine Art Entschul-digungsschreiben an den Kaiser Napoleon richten. DieseZumutung wurde bestimmt zurückgewiesen. Auch lehnte derKönig es ab, den Gesandten nochmals zu empfangen, da erihm nichts weiter mitzuteilen habe. Zugleich wurde überdiese Vorgänge an Bismarck nach Berlin berichtet; dieserveröffentlichte die Emser Depesche in verkürzter Fassung
7. In Paris erklärte man jetzt die Ehre und Würde1878 Frankreichs verletzt, was Genugtuung verlange,is. Juli. Die Entscheidung der kaiserlichen Regierung für
Französische den Krieg wurde mit Jubel begrüßt. UnterKriegs- brausendem Beifall bewilligte die Volksvertre-erklarung. tung die Kriegsmittel. Bereits am 19. Juli