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Das Zeitalter der religiösen Kämpfe 1519 — 1648.
Äußere
Politik.
1610.
Die avulsaimperii.
Ferdinand I.1558 — 1564.
Maxi-milian II.1564—1576.
Rudolf II.1576—1612.
Plätze zusicherte. Er ordnete ferner mit Hilfe seines Ministers Sullydie zerrütteten Finanzen; nach einer langen Zeit des Bürger-krieges förderte er Ackerbau und Gewerbe, baute Straßen,führte die Seidenkultur ein und schuf die ersten französischen An-siedelungen in Canada. Von nicht geringer Bedeutung endlich istes, daß er durch seine Fürsorge für das Wohl des Volkes wie durchsein ritterliches, offenes, leutseliges Wesen das Königtum in Frank-reich wieder populär machte. Seine auswärtige Politik verfolgtedas Ziel der Bekämpfung des Hauses Habsburg; als1609 der Mich - clevische Erbfolgestreit ausbrach, wollte er die Ge-legenheit zu einem umfassenden Angriff auf die Länder beider habs-burgischen Linien benutzen; da wurde er von Ravaillac ermordet.Für seinen zehnjährigen Sohn Ludwig XIII. übernahm seinezweite Gemahlin Maria Medici die Regentschaft.
Deutschland in der Zeit der Gegenreformation.
8 153. Das Reich. Während sich die Niederlande, Englandund Frankreich trotz schwerer Erschütterungen zu der Stellung be-herrschender Staaten emporarbeiteten, hat in Deutschland der reli-giöse Zwist die Ohnmacht nach außen vergrößert. In jener Zeittourden ungestraft große Strecken deutschen Landes losgerissen:während Mailand spanischer Besitz blieb, hatte der Freiheitskriegder Niederlande nicht nur ihre Losreißung von Spanien,sondern auch ihre völlige Trennung vom deutschen Reich zur Folge;und während Metz, Toul und V er dun den Franzosen nichtwieder abgenommen werden konnten, ergaben sich in jener Zeit diedeutschen O st s e e p r o v i n z e n, die sich der Einfälle des ZarenIwan IV. nicht erwehren konnten, teils wie Esthland in schwedische,teils wie Kurland und Livland in polnische Abhängigkeit. Zu alledemtrat die fortwährende Türkengefahr.
Die Reichsregierung dachte nicht an eine tatkräftige auswärtigePolitik. Ferdinand I. zahlte den Türken einen jährlichen Tribut;nach innen bemühte er sich ehrlich den Augsburger Religionsfriedenzu halten. Sein Sohn Maximilian II. erneuerte den Türken gegen-über, auch nachdem Suleiman im Jahre 1566 vor dem von Zrinybis zum Tode verteidigten Szigeth gestorben war, das Versprechendes Tributs. Er hatte zu Lebzeiten seines Vaters eine starke Hin-neigung zum Protestantismus zur Schau getragen; als Kaiser zeigteer sich wenigstens versöhnlich und duldsam. Sein Sohn Rudolf II-,dem deutschen Leben dadurch entfremdet, daß er in Spanien erzogenwar, war zwar streng katholisch, aber gewaltsamem Eingreifen ab-geneigt, menschen - und tatenscheu, ein Liebhaber der Alchymie undAstrologie, ein kraftloser und untüchtiger Regent.