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Herrn Jesu Christi, mit dem das gegenwärtige Jahr 1493 beginnt, tat-sächlich in Besitz genommen waren, schenken und überweisen Wir kraftder Gewalt des allmächtigen Gottes, die Uns im heiligen Petrus über-tragen ist, und der Stellvertretung Christi, die Wir auf Erden ausüben,mit allem Zubehör Euch, Euren Erben und Nachfolgern, den Königenvon Kastilien und Leon 1 für immer.
4. Yasco da Gama in Indien, 1498.
Luiz de Camoes, Die Lusiadeu, VI, 92—95; VII, 1—3. Übersetzt vonF. A. Kuhn, K. Th. Winkler und Rudolf von Belzig.
Camoes wurde 1524, wahrscheinlich in Lissabon, geboren; 1580 starb erebenda, allein und im Elend. In Afrika und Indien kämpfte er für sein Vater-land; wegen eines Spottgedichtes auf die portugiesische Verwaltung wurde eraber nach der portugiesischen Niederlassung Macao an der chinesischen Küsteverschickt. Nach fünf Jahren begnadigt, erlitt er auf der Heimfahrt Schiffbruch,aus dem er nur sein großes Gedicht rettete. 1569 sah er die Heimat wieder;er führte hier ein dürftiges Dasein bis zum Tode. In den zehn Gesängen derLusiaden (Portugiesen) schildert der Dichter die Heldenfahrt der Nachkommendes sagenhaften Stammvaters der Portugiesen, Lusus. Camoes selbst nahm zwarnicht an der Reise teil, kannte aber die Meere und Länder der Ostindienfahrtaus eigener Anschauung; zudem atmet die Dichtung, die 1572 erschien, denVaterlandsstolz der Portugiesen in ihrer großen Zeit:
„Erwäg, o Herr, ob noch ein Volk zu finden,
Dem durch das Weltall solch ein Weg gelang?“
Und schon umstrahlt der junge Tag die Höhn,
Durch die der Ganges rauschend hin sich windet,
Als festes Land vom Mastkorb Leute sehn,
Das man der Mannschaft froh erregt verkündet;
Es schweigt der Sturm, kaum fühlt die See man gehn,
Die blasse Furcht aus allen Herzen schwindet,
Und jubelnd ruft der Lotse von Melinde:
's ist Kalikut, wenn ich mich recht befinde.
Fürwahr, es ist das Land, nach dem ihr strebet,
Das wahre Indien, es zeigt sich da,
Und wenn ihr euch mit dem zufrieden gebet,
So ist nun eurer Reise Ziel euch nah.
Und Gama, dem das Herz im Busen bebet,
Der kaum vor Tränen noch das Ufer sah,
Wirft auf die Knie sich und hebt seine Hände,
Daß Preis und Dank er dem Allgütgen spende.
Er dankt und betet. Und sollt er nicht danken,
Des Augen nun das Land so nahe schann,
Das er, wie oft auch Mut und Hoffnung sanken,
Durch alle Drangsal suchte voll Vertraun,
1 Oder Asturien im Nordwesten der Halbinsel.