Band 
Dritter Teil.
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Cortez schrieb neben vielen kürzeren Briefen auch fünf ausführliche Be-richte über seinen Eroberungszug jeweilen unmittelbar nach den erlebtenEreignissen; sie zeichnen sich aus durch Klarheit und Knappheit, sind aber,wie es in der Natur der Sache liegt, nicht immer unparteiisch.

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Die Hauptstadt Temixtitan 1 liegt in einem salzigen Landsee, undvon jedem Endpunkte des Festlandes bis zum Weichbild der Stadt,von welcher Seite man auch kommen mag, sind es stets zwei Leguas 2 .Sie hat vier Eingänge, alle auf Steindämmen zugänglich, die von Menschen-hand gemacht und etwa zwei Reiterlanzen breit sind. Die Stadt ist sogroß wie Sevilla und Cordova. Ihre Straßen — ich rede hier von denHauptstraßen — sind sehr breit und sehr gerade, und einige der letzterensowie alle übrigen sind zur Hälfte fester Boden, zur andern Hälfte aberWasser, auf dem die Kähne fahren. Alle Straßen sind in größerenZwischenräumen durchschnitten, so daß zwischen ihnen eine Wasser-verbindung besteht. Alle diese Lücken, deren einige sehr breit sind,haben ihre Brücken, aus großen und starken zusammengefügten Balkensehr gut gebaut, so daß zehn Reiter in Front liinüberziehen können.Ich sah ein, daß es den Einwohnern dieser Stadt, wenn sie uns irgendeipeii Verrat spielen wollten, nicht an Vorschub dazu fehlen würde, dadie Stadt, wie ich beschrieben, so gebaut war, daß sie nur die Brückender Zugänge abzuwerfen brauchten, um uns Hungers sterben zu lassen,ohne daß es uns möglich wäre, ans Festland zu gelangen. Daher ließich gleich nach meinem Einmarsch in die Stadt in großer Eile vierBrigantinen 3 erbauen, die in sehr kurzer Zeit fertig gestellt wurden, sodaß damit dreihundert Mann und alle Pferde, so oft es uns gefiel, zumFestlande übergesetzt werden konnten.

Die Stadt hat viele öffentliche Plätze, auf denen beständig Marktgehalten wird und allerlei Handel in Kauf und Verkauf stattfindet.Dann hat sie auch einen besondern öffentlichen Platz, so groß wie zwei-mal ganz Salamanca, rundum ganz mit Säulenhallen umgeben, wo sichtäglich über sechzigtausend Seelen zusammenfinden: Käufer und Verkäufervon Lebensmitteln, von Kleinodien aus Gold und Silber, Blech, Messing,Knochen, Muscheln, Hummerschalen und Federn. Auch verkauft manWerksteine, behauene und unbehauene, Kalk- und Ziegelsteine, Bauholz,zugerichtetes und rohes, in allerei Gestalten. Auch ist da eine Jägerstraße,wo alle Vogelarten feilgehalten werden, die das Land erzeugt: Hühner 4 ,Rebhühner, Wachteln, wilde Enten, Fliegenschnäpper, Wasserhühner,Turteltauben, Holztauben, kleine Rohrvögel, Papageien, Geier, Adler,Falken, Sperber und Weihen. Von einigen dieser Raubvögel verkauftman auch die Bälge mit Gefieder, Kopf, Schnabel und Klauen daran.Man verkauft Kaninchen, Hasen, Hirsche und kleine Hunde, die zur

1 Mexiko; Temixtitan ist die falsche Schreibweise des Cortez für dasaztekische Tenochtitlan.

2 Siehe S. 6, Anmerkung 1.

3 Kleine, schlank gebaute Schiffe.

4 Wahrscheinlich Truthühner; unsere Hühner waren in Mexiko nicht ein-heimisch.