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1B. Savonarola, 1495/97.
A. Aus einer Predigt Savonarolas von der Erneuerungder Kirche, 13. Januar 1495.
Savonarola, Prediche sopra diversi Salmi . . . Predica III. NachWilhelm von Langsdorff.
Gott fügte es, daß ich nach Florenz kam, dem Herzen Italiens.Du Florenz hast gehört mit deinen Ohren — nicht mich, sondern Gott!Deshalb hast du, o Florenz, keine Entschuldigung, wenn du dich nichtbekehrst und nicht glaubst, daß nicht ich, sondern Gott, es ist, der hierredet. Es ist doch zu begreifen — wenn du siehst, wie dieses Volk, dasauf dem schlechten Wege irrte, sich zur Buße kehrte und glaubt daßdiesen Erfolg nicht ein armer Klosterbruder bewirkt haben kann, sondernGott allein. So glaube nun, Florenz, tue Buße und zögere nicht, damitdeine Züchtigung abgewendet werde; denn ich sehe das Schwert, dassich rückwärts wendet. Der Stein fällt seiner Natur nach abwärts, dieSchwalbe baut ihr Nest von Erde; aber sie tun es durch natürlichenInstinkt und kennen den Grund nicht, warum sie so handeln; der Menschjedoch wird von dem freien Willen geleitet. Dem ähnlich sind welcheaufgestanden, die predigten vieles in Einfalt und wußten nicht den Grundweshalb. Und wieder einige sind aufgestanden, die predigten vieles, nichtin Einfalt, aber sie wußten Grund und Zweck weshalb. Wenn du zu-gestelist, daß in einer dieser beiden Arten Macht liegen muß, etwas zuerreichen: ich habe dir gepredigt, daß ganz Italien samt Rom drunterund drüber • gehen und dann die Kirche sich erneuern muß; aber duglaubst nicht. So mußtest du wenigstens glauben, da Gott es dir nochgewaltiger gepredigt hat als ich.
So laß uns beginnen mit den natürlichen Gründen, die ich mehrereJahre dir angeführt habe, die Erneuerung der Kirche zu zeigen und zuerweisen. Einige Gründe sind mehr nur wahrscheinlich, so daß sie Wider-spruch finden mögen; andere aber sind so beweiskräftig, daß ihnen nichtwidersprochen werden kann. Die, die ich jetzt anführen werde, sind alle
Fischen gerechnet, wie ich von einem Arzte gehört habender 'ein sehr guterNaturkundiger ist. Daher bitte ich Euch recht herzlich, Ihr wollet mir auf dievorgelegte Frage antworten; denn wenn Ihr daran festhaltet, daß es eine Tod-sünde ist, so will ich hier Absolution erlangen, bevor ich nach Deutschlandgehe. Auch tue ich Euch, zu wissen, daß unser Magister Jakob von Hoogstratentausend Gulden aus der Bank erhalten hat, und ich glaube, er werde die Sachegewinnen und der Teufel jenen Johannes Reuchlin holen, samt den anderenPoeten und Juristen, weil sie der Kirche Gottes, das heißt den Theologen, aufwelche die Kirche gegründet ist, widerstreben wollen, wie Christus gesagt hat:„Du hist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche gründen.“ Und hiemitempfehle ieh Euch Gott dem Herrn. Lebet wohl! Gegeben in der Stadt Rom.