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kennst nur noch das Trachten nach Ehre; ein jeder will erhöht sein.Glaube mir, es gibt für dich nur eine Hilfe, nämlich in der Buhe. GottesGeißel ist bereit! Der achte Grund ist, weil alles, was man glaubensoll, verleugnet wird — ist’s nicht heute so, daß keiner mehr glaubtund jeder sagt: was wird’s euch tun? Neuntens ist der Gottesdienstverdorben — geh und sieh, was man in den Gotteshäusern treibt; keinewahre Verehrung findest du mehr, der ganze Kultus ist verdorben; dusagst: es gibt ja so viel Mönche, so viel Prälaten wie noch nie. 0 Geist-lichkeit, Geistlichkeit, durch dich ist dieses Wetter heraufbeschworenworden; du bist schuld an all diesem Übel. Ein jeder preist sich jetztglücklich, der den Pater im Hause hat — ich sage dir, es kommt dieZeit, und zwar bald, daß man sagen wird: glücklich das Haus, daskeinen geschorenen Geistlichen hat! Zehntens bezeugt dir’s auch dieöffentliche Meinung: jeder hält es nur für gerecht, daß die Strafe für allden Frevel kommen muß. Die Weltgeistlichen selbst helfen und viele anderepredigen und verkündigen es, daß in unserer Zeit diese Geißel kommenwird. Das sind die Gründe, um deretwillen ich dir die Erneuerung derKirche gepredigt habe.
B. Die '■'■Verbrennung der Eitelkeiten » in Florenz,
7. Februar 1497.
Pacifico Burlamacchi, Vita del P. P. Girolamo Savonarola. NachJoachimsen.
Burlamacchi, gestorben 1519, aus einer berühmten Familie in Lucca, wurdedurch Savonarolas Predigten veranlaßt, in den Dominikanerorden einzutreten.Seine auf persönlichen Verkehr begründete Bekanntschaft mit Savonarola be-fähigte ihn, ein liebevolles und sorgfältiges Lebensbild Savonarolas zu schreiben
Als im Jahre 1497 der Karneval kam, befahl Bruder Savonarola,daß man eine gar schöne Prozession mit großem Gepränge für vor-mittags neun Uhr ansetze. Und er ließ auf dem Bathausplatz einen großenScheiterhaufen errichten, wo alle die Eitelkeiten und Werkzeuge derÜppigkeit versammelt waren, welche die Kinder aus allen Teilen derStadt zusammengetragen hatten. Das Bauwerk hatte acht Seiten, und einejede Seite hatte ihre fünfzehn Stufen, auf denen aufgetürmt und geordnetwaren alle oben genannten Eitelkeiten und Üppigkeiten, mit großer Kunstverschieden aufgebaut. Auf der ersten Stufe waren ausländische Tuche,kostbar, aber bedeckt mit unzüchtigen Figuren, darüber auf der zweitenStufe eine Masse Bilder, dabei Bildnisse der schönsten Frauen von Florenzund andere, von der Hand der trefflichsten Künstler, Maler und Bild-hauer. Auf einer anderen Stufe Brettspiele, Karten, gedruckte Bücher,Würfel und Tafelaufsätze. Wieder auf einer anderen Musikinstrumente,Harfen, Lauten, Gitarren, Spinette', Clavecembali 2 , Flöten, Hörner unddergleichen. Dann Frauenputz, falsche Haare, Schleierhalter, Fläschchen,Büchsen, Spiegel, Parfüms, Puder und andere Werkzeuge der Üppigkeit.
1 Eine alte Art Klavier. — 1 Klavierähnliches Saiteninstrument.