Band 
Dritter Teil.
Seite
37
JPEG-Download
 

37

der Zeit beinahe unheilbar sind. Es fleht zu Gott um einen Erretter,der es von dem unerträglichen Joche des fremden Despotismus befreie.Es ist bereit, jeder Fahne zu folgen, die ein Tapferer wehen lassenwird.

Auf niemand kann es zur Zeit zuversichtlicher hoffen, als auf IhrHaus, Erlauchter Herzog! Es wäre ein heiliges Unternehmen, die Waffenzugunsten eines Volkes zu ergreifen, welches sein Heil durch sonst nichtsanderes finden kann.

Jeder notwendige Krieg ist gerecht; und die Waffen, welche zurVerteidigung eines hilflosen Volkes ergriffen werden, sind Waffen desMitleids. Alles wird sich zu diesem Vorhaben vereinigen; und da, wodie Gelegenheit vortrefflich ist, können die Schwierigkeiten nie groß sein,wenn man nicht die Straße verläßt, die ich als gut bezeichnet habe.

Italien gebricht es gar nicht an bildungsfähigem Stoffe. Es fehltallda nicht an tapfern Männern, sondern an Führern. Beweise dafürliefern uns so manche Zweikämpfe; und so manche Fehde unter Privat-personen zeugt von der den Italienern eigenen Kraft und Geschicklich-keit. Warum vermißt man dies aber, wenn sie ein Heer bilden? Weilihre Anführer nichts taugen; wer Verstand hat, will nicht gehorchen.Und jeder glaubt Verstand zu haben; und noch nie wollte einer demandern nachgeben, wenn dieser auch noch so viele Verdienste hatte.Dies ist die wahre Ursache, warum in all den Kriegen, welche wir seitzwanzig Jahren erlebt haben, ein bloß aus Italienern bestehendes Heernie etwas taugte. Will also das Haus Medici den vortrefflichen Heldenfolgen, welche ehedem ihr Vaterland von fremder Tyrannei befreiten,dann muß es vor allem als Grund zu jeglicher Unternehmung eigeneSoldaten halten; denn bessere und treuere gibt es nicht. Und wenngleichjeder einzelne Soldat brav ist, so werden sie doch alle zusammen sichnoch besser schlagen, wenn ihr eigener Fürst sie anführt, ehrt und be-lohnt. Es ist daher nötig, sich ein vaterländisches Heer zu bilden, umden Fremden widerstehen zu können. Man hält die schweizerische undspanische Infanterie für furchtbar; allein beide haben ihre Fehler, wes-halb man ihnen nicht noch eine dritte Heeresordnung entgegenstellen,sondern das feste Vertrauen haben mag, sie zu besiegen. Spanier könnenden Angriff der Reiterei nicht auslialten, und die Schweizer fürchten eineInfanterie, wenn sie so beharrlich im Kampfe ist wie sie selbst.

Man darf also eine so schöne Gelegenheit nicht vorübergehen lassen.Und so wird Italien, nach so langen Leiden, endlich auch seinen Er-löser sehen. Mit welcher Liebe und mit welchem Danke würde er nichtüberall aufgenommen werden! In allen Provinzen, sage ich, die unterdiesen fremden Überschwemmungen gelitten haben, und wo so langeschon Rache in allen Adern kocht! Welche Städte könnten ihm wohldie Tore verschließen, welche Völker ihm den Gehorsam versagen ?Welchen Neid könnte er zu bekämpfen haben? Könnte auch nur eineinziger Sohn Italiens ihm zu huldigen sich weigern ? Gewiß nicht; dennalles ist des Druckes dieser Barbarenherrschaft müde.

Übernehmen Sie daher, mein Fürst, diese Ausführung mit allen denErwartungen, wozu eine so gerechte Sache berechtigt, auf daß unter