betrifft, so vermehrte und erneuerte man seine Mannschaft und gab ihmdenselben Befehl für das Haus, das er bewachte. Dann berief er denPräsidenten Charron zu sich, der seit wenigen Tagen Vorsteher der Kauf-mannschaft war. Dieser benachrichtigte alle Hauptleute der Stadt, siehätten sich um Mitternacht vor dem Rathause einzufinden. Dort empfingensie aus dem Munde Marcels 1 — weil dieser beim Könige viel galt — denihnen willkommenen, wenn auch seltsamen Befehl, und vor allem das Ver-bot, irgend jemand zu verschonen; in allen Städten Frankreichs geschehe,was hier; als Abzeichen solle ihnen allen ein weißes Tuch am linkenArm und ein Kreuz am Hut dienen; Wann die Stunde gekommen zur Tat,erführen sie durch das Sturmläuten der großen Glocke des Palastes; undsie sollten Feuer an die Fenster legen.
Um Mitternacht stieg die Königin, die fürchtete, der König könnteirgendwie anderen Sinnes werden, in das Zimmer ihres Sohnes hinunter,wo sich die Herzoge von Guise und von Nevers, Birague, Tavannes undder Graf von Retz befanden, alle hierher geführt vom Bruder des Königs.Wie die Königin sah, daß der König Bedenken trug, trat sie hinzu undsagte, um ihn zu ermuntern, unter anderem: «Ist’s nicht besser, diesefaulen Glieder auszureifien, als das Herz der Kirche, der Braut Christi?»Sie schloß mit einem “Worte des Bischofs von Bitonto 2 : ihnen gegenübersei Mitleid grausam, Grausamkeit mitleidvoll. Da entschloß sich der König,und die Königin gab das Zeichen vor der Zeit, indem sie die Glocke desPalastes anderthalb Stunden vor derjenigen von Saint-Germain-1 A uxerrois 3Sturm läuten ließ. Die Straßen waren schon voll von Bewaffneten, auf derenLärm die Reformierten, denen der König Wohnungen in der Nähe desLouvre angewiesen hatte, herbeieilen wollten; aber auf ihre Fragen ant-wortete man, daß das Vorbereitungen für ein Turnier seien, und als eineran der Wache vorbei wollte, wurde er von einem dabei befindlichenGascogner verwundet.
Und nun erscholl die Sturmglocke, und schleunigst zogen der Herzogvon Guise und der Ritter von Angouleme, welche die ganze Nacht überallAnordnungen getroffen, aus, kamen mit dem Herzog von Aumale zurW’ohnnng des Admirals, der, als er den Lärm hörte, meinte, es sei eineEmpörung gegen den König selbst. Aber er erkannte seinen Irrtum, alsCosseins, nachdem er sich das Eingangstor hatte öffnen lassen, den Schlüssel-träger niederstach, vor den Augen der Schweizer, von denen einer ge-tötet wurde, als er das Tor wiederum versperren wollte. Nun war derHerzog von Guise im Hofe, und Cosseins mit den Hauptleuten Atain, Car-dillac, Sarlabos, einem Italiener und einem Deutschen namens Beme 4 , undsie gelangten an die Treppe. Der Admiral war auf, mit Merlin, seinemGeistlichen, den Ärzten und ein paar Dienern; und er sprach zu ihnenmit ruhigem Antlitz: «Das ist mein Tod, vor dem ich nie Furcht hatte,da er ja bei Gott liegt; ich brauche keine menschliche Hilfe mehr. Um
1 Früherer Vorsteher der Kaufmannschaft.
2 Bitonto liegt in der italienischen Provinz Bari.
3 Kirche in der Nähe des Louvre.
3 Beme oder Besme, ein Böhme; sein eigentlicher Name war Dianowitz.