Band 
Dritter Teil.
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02. Egmont vor seiner Hinrichtung, 5. Juni 1508.

Französischer Brief Egmonts an Philipp II. Van denBergh, Gedenk-stukken tot opheldering der Nederlandsche geschiedeuis, Bd. I., S. 277. NachSchiller. *

Sire, diesen Morgen habe ich* das Urteil angehört, welches EureMajestät gefallen hat über mich aussprechen zu lassen. Soweit ich auchimmer davon entfernt gewesen bin, gegen die Person oder den DienstEurer Majestät, oder gegen die einzig wahre, alte und katholische Reli-gion etwas zu unternehmen, so unterwerfe ich mich dennoch dem Schick-sale mit Geduld, welches Gott gefallen hat über mich zu verhängen.Habe ich während der vergangenen Unruhen etwas zugelassen, geratenoder getan, was meinen Pflichten zu widerstreiten scheint, so ist es gewißaus der besten Meinung geschehen und mir durch den Zwang der Um-stände abgedrungen worden. Darum bitte ich Eure Majestät, es mir zuvergeben und in Rücksicht auf meine vergangenen Dienste mit meinerunglücklichen Gattin und meinen armen Kindern und Dienstleuten Er-barmen zu tragen. In dieser festen Hoffnung empfehle ich mich der un-endlichen Barmherzigkeit Gottes.

Brüssel, den 5. Juni 1568, dem letzten Augenblick nahe.

Eurer Majestät treuester Vasall und DienerLamoral, Graf von Egmont.

03. Das Geusenlied, um 150.8/09.

Das aus dem Freiheitskampf der Niederlande stammende berühmte hollän-dische Volkslied wird auf Ph. Mar nix zurüekgeführt. Die Anfangsbuchstabender 15 Strophen ergeben im Original den Namen Willem van Nassov (Wilhelmvon Oranien). Holländisch bei Heinrich Hoffmann, Horae belgicae, Bd. II,Holländische Volkslieder, S. 96—99. In deutscher Übersetzung nach Soltau,Ein Hundert deutsche historische Volkslieder, Zweite Ausgabe, S. 430—434.— Gekürzt. . t

Wilhelmus von NassaueBin ich von deutschem Blut,

Dem Vaterland getreueBleib’ ich bis in den Tod;

sondern alles von zwei oder drei Elenden, die den Winken eines Vargas folgten,entschieden ward! So wurden denn von allen Seiten Personen jeden Geschlechts,Alters und Standes in den Kerker geworfen und hingerichtet. Die Galgen, dieRäder, sogar Pfähle und Bäume an den Wegen, mit Erwürgten, Enthaupteten,Verbrannten beladen, boten das traurige Schauspiel, daß die Luft, zum Lebenerschaffen, nun als ein allgemeines Grab erschien. Jeder Tag hatte seine Trauerund der Klang der Totenglocke zu der Hinrichtung der zahllosen Schlachtopferwiderhallte im Herzen von Kindern, von Eltern, Verwandten und Freunden!“<N. G. van Kämpen, Geschichte der Niederlande, Bd. I, S. 373).