129
Vor Gott will ich bekennenUnd seiner großen Macht,
Daß ich zu keinen ZeitenDen König hab’ veracht,
Denn daß ich Gott dem Herrn,Der höchsten Majestät,
Hab müssen obedierenIn der Gerechtigkeit.
64. Die Belagerung von Leijden, 1574.
Emanuel van Meteren, Historie der Nederlandscher ende haerderNaburen Oorlogen ende geschiedenissen, tot den Jare 1612, fol. 103 ff. Nachder Übersetzung in „Meteranus novus“, Bd. I., 1669, S. 202—206. — Überarbeitetund stark gekürzt. Vgl. die Einleitung zu No. 61.
*
Valdes 1 Absicht war, die Stadt ausznhungern. Von ihm wie auclivon [andern] wurden viele Briefe an die von Leijden gesandt, worinsie anführten, daß es für die Leijdener nicht allein keine Schande, son-dern auch hochlöblich sein würde, sich zu ergeben. Auf etliche dieserBriefe antworteten diese nur mit einem weißen Bogen Papier, woraufnicht mehr geschrieben stand als der Vers: «Fistula dulce canit, volu-crem dum decipit auceps», d. h. «Des Voglers Pfeife gar lieblich singt,bis sie das Vöglein ins Netze bringt.» Auf andere gaben sie anderespitzfindige und listige Antwort. Aber am 22. September riefen sie ihrenFeinden über die Stadtmauern als eine allgemeine Antwort folgendes zu:«Ihr gründet eure ganze Sache auf die Hungersnot und auf die Un-möglichkeit, uns zu entsetzen. Ihr nennt uns Hunde- und Katzenfresser;uns mangelt es aber noch an keiner Kost, solange ihr noch Hunde undKiihe hört in unserer Stadt. Und wenn es uns je endlich an Speise ge-brechen sollte, so. hat noch ein jeder von uns einen linken Arm; denwollten wir unterdessen essen und den rechten behalten, um den Tyrannensamt seinem blutdürstigen Haufen von unsern Stadtmauern abzuwehren.
Die Staaten beschlossen, alles Heu, Stroh und Korn in die Stadt zuführen und das Verderben des Gewächses auf ebenem Felde nicht anzu-sehen, damit Leijden entsetzt würde und sie ihren Feinden zeigten, daßsie Willen und Macht hätten, lieber alles untergehen zu lassen, als GottesWort und ihre väterlichen Freiheiten zu verlieren, hierin dem Sprichwortfolgend: Lieber verdorbnes als verlornes Land; und sie bewilligten also,die Schleusen zu öffnen und die Dämme der Maas und Ijssel zu durch-stechen, das Land überall mit Wasser zu überschwemmen und einen Seevon Ebbe und Flut über ein trockenes und festes Land zu machen, da-mit man gen Leijden fahren und es entsetzen möchte.
1 Spanischer Feldherr in den Niederlanden.Flach o. Guggenbühl, Quellenbuch III