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Ehe die Stadt, entsetzt ward, war sie in dieser Lage; Die Speiseder Leijdener war nur Kuh und Pferdefleisch. Das Brot war alles auf-gegessen. Der Hunger war so groii, daß Hunde, Katzen, Ratten als Lecker-bissen gegessen wurden. Da wurde mancherlei Geköch gemacht, dessenBeschreibung zu weit führen würde, t'ber diesen Mangel hinaus war nocheine so grolle Pestilenz und ein so grobes Sterben in der Stadt aus demHunger entstanden, daß während der Belagerung sechstausend Menschenstarben. Auch waren die Männer so kraftlos, daß sie kaum auf die Wachtgehen konnten, und mancher fand bei der Heimkehr AVeib und Kinder tot.Neben diesem Elend herrschte auch große Unruhe, Muhren und Zwietrachtin der Stadt. Schließlich kamen auch etliche zum Bürgermeister 1 undklagten drohend über ihre Hungersnot und Gefahr, um ihn zu bewegen,sich in einen Vertrag mit den Spaniern einzulassen. Aber er antworteteihnen kurz und gut, er habe einen Eid getan, dem er mit Gottes Hilfenachkommen wolle. Wenn ihnen mit seinem Tod geholfen wäre, so sei esfür ihn gleichgültig, ob er ihn von ihnen oder vom Feind erleiden würde.Sie möchten seinen Leib in Stücke hauen und unter sich teilen, fallsihnen dies helfen möchte. Mit dieser Antwort gingen sie beschämt hinweg.
Weil der Nordostwind wehte, trieb er das Wasser aus dem Landbis zum 23. September. Als der Wind in der Springflut von Nordwestenzu wehen und zu stürmen begann, betrachteten sie ihn als einen BotenGottes von ihrer Erlösung, vor allem weil er darnach Südwest wurde,der das Wasser, das mit dem Nordwest ins Land gekommen war, rechtnach Leijden zu trieb.
Jetzt endlich konnten die Geusen in ihren Schiffen über das Wasserfahren, die Spanier aus ihren stärksten Stellungen vertreiben und die Stadt ver-proviantieren und entsetzen;
Da war es wunderlich und erbärmlich anzusehen, wie das ausge-hungerte Volk Brot und Heringe, die die Admirale aus ihren Galeerenwarfen, so gierig einschluckte und die Heringe alle roh aufaß, als obes nimmermehr zu sättigen wäre. Als nun die Admirale in der Stadtwaren, gingen sie alsbald mit ihrem Volk und der Bürgerschaft in dieKirche, wo sie Gott dem Herrn, der ihnen einen See über das ebeneLand gemacht hatte, von ganzem Herzen in feurigem Eifer dankten.
65. Die Union von Utrecht, 23. Januar 1579.
JanW agenaar,Vaderlandsche Historie. Übersetzt von To z e, AllgemeineGeschichte der Vereinigten Niederlande, Bd. III, S. 336 ff. — Stark gekürzt.
I. Die obgenannten Länder 2 verbinden und vereinigen sich mitein-ander, um zu ewigen Tagen vereinigt zu bleiben, wie wenn sie nur eineProvinz wären, ohne sich durch irgend ein Bündnis oder irgend eine
1 Adrian van der Werf.
- Holland, Seeland, Geldern, Friesland, Utrecht.