Band 
Dritter Teil.
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Markgrafschaft Baden mit Rauben, Brennen, Plündern, Verwüsten sehrübel; und ungeachtet ihnen in gedachter Markgrafschaft 24 000 GuldenBrandschatzung und 45 000 Gulden Winterquartier erleget worden, ohnewas man an Früchten geliefert, haben sie dennoch verschiedene Städteund Dörfer in Asche gelegt. Als aber endlich die kurbayrischen Vor-truppen den 27. Januar bei Philippsburg angelangt, haben sie zwarDurlach, Ettlingen und andere Dörfer diesseits des Rheins mehr verlassen,hingegen in der Pfalz desto übler gehauset. — Am 28. Januar ist derComte de Melac 1 mit der ganzen zu Heidelberg liegenden Kavallerieund einiger Infanterie ausgezogen, und obschon die alliierten Truppen 2auf sechs bis sieben Stunden weit wieder fortgewesen, hat er doch vordem Speyerer Tor diese Reiterei in Partien verteilet und in nachfolgendeÖrter, als Rohrbach, Laimen, Nußloch, Wiseloch, Kirchheim, Bruchhausen,Eppenheim und Neckarhausen abgeschickt, selbige, ungeachtet sie ihreauferlegte Kontribution, auch angeforderte Früchte und Fourage meistensrichtig geliefert, sämtlich in Brand gestecket und dadurch in gedachtenÖrtern gegen siebenhundert Gebäude in Asche geleget, wie denn auchhin und wieder einiges Vieh, so von den Flammen nicht gerettet werdenkönnen, und allerhand Habseligkeiten der Untertanen mitverbrannt undzu Schanden gegangen sind; ja es ist ihre Unbarmherzigkeit so großgewesen, daß sie, wenn die Untertanen den Brand haben löschen wollen,dieselben mit Gewalt davon abgehalten, nackt ausgezogen und sehr übeltraktieret [haben]. Sonntags, den 30. Januar, ist dieser Melac wiedermit einer starken Partie zu Roß und Fuß ausgegangen, so sich mitandern Truppen zu Mannheim konjungiert und dergleichen Vorhabenauf Ladenburg und Weinheim gehabt, welches aber, weil der Neckarsehr groß gewesen, daß sie nicht hinüber kommen können, unterblieben.

So verfuhren damals die Franzosen um Heidelberg. In der Stadtselber aber wurden hierauf, — weil sie vom Anmarsch der kaiserlichen,kursächsischen und kurbayrischen Völker Wind bekommen hatten —,alle Schloßtürme und der dicke steinerne Pfeiler, an der Neckarbrückeunterminiert, ingleichen die Schloß- und Stadtmauer, wie auch die Redoute 3am Schloß eingerissen und alles Geschütz und Munition aus dem Zeug-haus und von den Wällen vondannen nach Mannheim und Philippsburggeführt. Hierauf haben sie angefangen, die Gemächer und Zimmer imSchloß zu eröffnen, und nicht allein die darin gewesenen kurfürstlichenMobilien und andere Sachen geraubet, sondern auch die noch IhrerHoheit der verwitweten Frau Kurfürstin zugehörigen Sachen hinweg-genommen und unter sich geteilet. Nach diesem haben sie das vorherunterminierte kurfürstliche schöne Schloß 4 in die Luft gesprengt. Nicht

1 Französischer Feldmarschall, der im Aufträge des Kriegsministers Louvoishandelte. Er fiel 1709 bei Malplaquet.

! Die gegnerischen Truppen.

5 Eine mit Brustwehren umgebene Schanze.

4 Unter dem Kurfürsten Ruprecht III. um 1400 begonnen, wurde der auseiner Gruppe von Häusern bestehende Bau von den Kurfürsten Ludwig V.,Friedrich II, Otto Heinrich, Friedrich IV. und Friedrich V., dem Winterkönig,weitergeführt und vollendet.