Band 
Dritter Teil.
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Paria , 14. Mai 1695. — Aus zwei gar starken Ursachen spiel ichnicht. Die erste ist, daß ich kein Geld habe', und die zweite, daß ichdas Spiel nicht liebe. Das Spielen ist hier greulich hoeh, und die Leutewerden wie tolle Menschen, wenn sie spielen. Eines heult, das andereschlägt mit der Faust auf die Tafel, daß die ganze Kammer darüberzittert; der dritte lästert Gott, daß einem die Haare darüber zu Bergestehen — kurz alle sind wie verzweifelte Menschen, welche einem bangmachen, sie nur anzusehen.

Paris, 7. März 1696. — Monsieur hat nichts in der Weltim Kopf als seine Favoriten, um da ganze Nächte mit zu fressen undzu saufen, und gibt ihnen unerhörte Summen Gelds. Unterdessen habenseine Kinder und ich kaum, was uns nötig ist. . . . Was die Maintenonanbelangt, so ist sie dermaßen jaloux von ihrer Autorität, daß Monsieurihr einen rechten Gefallen tut, mich übel bei dem König anzutragen. .. .Euer Liebden können nicht glauben, was dies alte Weib ein böser Teufelist und wie sie sucht; die Leute gegen einander zu hetzen. WennMonsieur heute zu sterben kommen sollte, muß ich morgen bloß von desKönigs Gnade leben und werde das Brot nicht finden. Monsieur sagtüberlaut und hat mir nicht verhehlt, daß, weil er anfange alt zu werden,habe er keine Zeit zu versäumen, wolle alles anwenden und nichtssparen, um sich bis an sein End lustig zu machen, daß die, so längerals er leben würden, Zusehen mögen, wie sie ihre Zeit zubringen, daßer sich selber lieber hätte als mich und seine Kinder. Er praktiziertin der Tat so, wie er sagt.. . . Alles hier ist pur Interesse und Falsch-heit, das macht das Leben sehr unangenehm. Will man nicht mitIntrigen und Galanterien zu tun haben, so muß man apart leben,welches auch langweilig genug ist. ...

Marly, 16. Mai 1696. — Wie einfältig der große Mann* in derBeligion ist, ist nicht zu begreifen, denn sonsten ist er nicht einfältig.Es kommt aber daher, daß er nie nichts in Religionssachen noch dieBibel gelesen und nur vor sich hinglaubt, was man ihm von der Religionvorschwatzt. Drum auch, als er eine Mai tresse hatte, die nicht devotwar, war er es auch nicht; da er aber in eine verliebt worden, soimmer von Pönitenz spricht, glaubt er alles, was diese ihm sagt, auchso, daß der Beichtvater und die Dame gar oft uneins sein, denn erglaubt ihr mehr als dem Beichtvater, will sich aber selber die Mühenicht geben nachzuforschen, welches eigentlich die Religion ist. Einesist nicht zu leugnen, daß der große Mann bisher über die Maßen

‘Liselotte klagt über die Verschwendung des Herzogs, ihres Gatten, derseinen Günstlingen ungeheure Summen Geldes gebe, während seine Kinderund sie kaum das Nötigste besäßen. „Wenn ich Hemder und Leintücher nötighabe, muß Jahr und Tag darum gebettelt werden“. „Was von Heidelberg vonSilbergeschirr kommen und allerhand Silberzeug, womit mein Kabinett geziertwar, hat Monsieur mir einen Tag all wider mein inständig Bitten weggerafft,verschmolzen und alles Geld davon in seinen Beutel geschoben, hat mir keineinzig arm Kistchen gelassen,, meine Lappen drin zu tun“.

‘Ludwig XIV.