Band 
Dritter Teil.
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glücklich gewesen ist; ob dies Glück aber noch lange Bestand habenwird, soll uns die Zeit lehren.

Die Mettwürst, fürchte ich, werden nicht so wohl hierüber kommenals mein Tintefaß; ich fürchte, sie werden sie mir auf der Douanefressen, welches mir gar leid sein würde; denn ich möchte sie gerneselber auf Euer Liebden Gesundheit essen.

Versailles, 4. Mai 1698. — Das geschieht manchen hier, daßdie Devotion ihnen den Hirnkasten verdreht. Man sieht aber wohl, daßdie Herren Pfaffen nur ihren Scherz mit der Religion haben. Wenn einMensch des andern Teufel ist, kann man wohl sagen, daß die Pfaffendie ärgsten Teufel sind. Yor diesem sagte man im Sprichwort: «Woder Teufel nicht hinkommen kann, da schickt er ein alt Weib» ; hierin Frankreich könnte man sagen: «Wo das alt Weib nicht hin kann,da schickt sie Pfaffen». Denn man hat mich versichert, daß in jederPfarrei zu Paris Pfaffen von dem alten Weib hingesetzt seind, um ihralles zuzutragen, was in ganz Paris vorgeht. Etliche Pfarreien habensich dagegen gesetzt und haben die Spione nicht annehmen wollen. DerKönig ist ärger als nie gegen die Reformierten verpicht; so lang dasalte Weib regieren wird, kann es nicht anders sein, denn das ist dereinzige Weg, wodurch sie den Eifer von ihrer hohen Devotion erweist.Hätten die Reformierten eine gute Resolution gefaßt und wären kommenund hätten dem Weib ein paar Millionen offeriert, ihr dabei bang ge-macht, daß es ihr übel gehen möchte, wo sie nicht vor sie wäre, sobin ich überzeugt, daß man sie alle in Ruhe würde gelassen haben;denn das Weib ist furchtsam.

Wenn ich allemal die Stirn runzeln wollte, wenn ich hier sehe,was mir nicht gefällt, so würde ich fingerdicke Runzeln jetzt haben.Was das Lachen anbetrifft, so muß es noch ein Rest von dem Lachenmeiner Jugend sein, denn nun lache ich selten.

Versailles, 22. August 1709. —- Wie ich eben in Paris durchdie Pfort St. Honore fuhr, sähe ich alle Leute laufen und ganz ver-stöbert aussehen; etlich sagten: «Ah mon Dien!»; alle Fenster warenvoll Leute, etliche waren auf die Dächer geklettert, unten sah manalle Butiken zumachen und die Türen von den Häusern verschließen.Das Palais Royal selber war zu. Ich konnte nicht begreifen, was dasbedeutet; wie ich aber in den innern Hof kam und ausstieg, kam eineBürgersfrau, so ich nicht kenne, und sagt zu mir: «Wissen Sie, Madame,daß eine Revolution in Paris ist; die dauert schon seit vier Uhr desMorgens». Ich meinte, die Frau wäre närrisch worden, und fing an zulachen; sie sagte aber: «ich bin nicht närrisch,- Madame; was ich sage,ist wahr, so wahr, daß schon vierzig Personen getötet sind». Ich fragtevon meinen Leuten, obs wahr wäre? Sie sagten, es wäre nur gar zuwahr, deswegen hätten sie die Tore vom Palais Royal zugemacht. Ichfragte die Ursach von der Revolte; die war, daß man an dem Wallund Pfort St. Martin arbeitet und jedem Arbeiter drei Sols und einenLaib Brot gibt; es waren zweitausend, so arbeiten; selbigen Morgenaber waren, ohne daß man sichs versehen hatte, viertausend kommen,die forderten Brot und Geld mit Ungestüm, und wie man nicht hatte,