Band 
Dritter Teil.
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und ein Weib sehr unverschämt war, nahm man sie und setzte sie anden Pranger. Da ging der Lärmen an, und anstatt viertausend kamengleich noch sechstausend dazu und rissen das Weib vom Pranger los.Es hatten sich viele abgedankte Lakaien dazu geschlagen, die riefen,man müßte plündern, liefen zu Bäckershänsern, welche sie plünderten.Man rief die Soldaten der Garde, um auf die Kanaille zu schießen; siemerkten aber, daß man es nur getan, um sie zu erschrecken; es warkein Blei in den Musketen; da riefen sie: «Drauf los, sie haben keinBlei». Also waren die Soldaten obligiert, etliche niederzuschießen. Daswährte so von vier morgens bis um zwölf, da fuhren von ungefähr derMarschall de Boufflers und der Herzog de Grammont durch den Ort,wo die Revolte war und die Steine flogen; sie stiegen aus ihrer Kutsche,sprachen dem Pöbel zu, warfen Geld aus und versprachen, dem Königzu sagen, wie man ihnen Brot und Geld versprochen und nichtgegeben hätte. Da wurde gleich der Aufruhr gestillt, sie warfen gleichihre Hüte in die Luft und riefen: «Vive le roi et du pain». Es seinddoch gute Leute, die Pariser, sich sogleich wieder zu besänftigen. Gesternseind sie alle auf den Markt gangen und gar friedlich gewesen; aberso sehr sie ihren König und das königliche Haus lieben, so sehr hassensie Madame de Maintenon. Ich wollte einen Augenblick Luft nehmen,weil es warm war in meinen Kabinetten, so niedrig und klein seind,aber ich war kaum dar, so kam ein großer Zulauf vom Volk, die gabenmir viel Segen; sie fingen aber alle an, so abscheulich von der Damenzu reden, daß ich gezwungen wurde, wieder hereinzugehen und dieFenster zuzumachen; sie sagten platt heraus, sie möchten sie haben,um sie zu zerreißen oder als eine Hexe zu verbrennen.

Versailles, 28. September 1709. — Es ist 'recht wahr, daß allesNot um dieser Damen willen leidet; aber was ich recht possierlich indieser Sache find, ist, daß dies Weib, damit der König alles gut heißt,ihren Teil von ihrem Gewinnst gibt, und der Herzogin von Burgundauch. Unterdessen bekommt kein Mensch Geld; wir werden nur mitAssignationen. 1 bezahlt, das ist nur Papier, und da muß man nach laufen,also daß, was man zum Exempel heute bekommen sollte, das wird durchdie Assignation auf drei, vier oder fünf Mond ausgestellt, und dannhat man noch Mühe, solches zu bekommen. So eine elende Zeit, wie esnun ist, ist nicht aüszusprechen. Die Hungersnot ist so erschrecklich,daß man an allen Enden Leute recht von Hunger niederfallen undsterben sieht; überall ist Klag und Jammer, von den Größten bis aufden Kleinsten. — Der ganze Hof ist voller Intrigen; etliche, um sichbei • der mächtigen Damen in Gnade zu setzen, andre beim Dauphin,andre beim Herzog von Burgund. . . Das ist ein possierlich Spielwerkdurcheinander und könnte ich wie das Lied sagen: «Wenn man nichtvor Hunger stürbe, könnte man vor Lachen sterben». Die Alte hetztalle untereinander, um desto besser zu regieren. Ich bin von keinerIntrige, ich gehe meinen geraden Weg fort und lasse sie machen, wiees ihnen gefällt. Ich lebe so höflich als ich kann mit allen und traue

’ Anweisungen.