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Kriegslehren für den Kronprinzen Friedrich vonPreußen, 1734. — Stecken Sie sich immer ein hohes Ziel, wenn SieFeldzugspläne entwerfen; machen Sie den Entwurf so umfassend alsmöglich ; denn man bleibt stets hinter seinem Ziele zurück. Denken Sieunaufhörlich über Ihr Handwerk, über Ihre eigenen Unternehmungen unddie der hervorragenden Feldherren nach. Dieses Nachdenken ist das einzigeMittel, um jene Raschheit der Überlegung zu erwerben, die sofort alleserfaßt, alles ersinnt, was unter den jedesmaligen Umständen anwend-bar ist.
Über den Kronprinzen Friedrich Von Preußen. — Eserhellt, was für weitausblickende Ideen dieser junge Herr hat. Obwohldiese noch flüchtig und nicht ganz überdacht sind, so dürfte es ihmnicht an Lebhaftigkeit und Verstand fehlen. Um so gefährlicher wird eraber auch mit der Zeit seinen Nachbarn werden. — Unendlich viel liegtdaran, diesen jungen Herrn zu gewinnen, der sich dereinst mehr Freundein der Welt erwerben wird als sein Vater und ebenso viel Gutes wieSchlechtes vollbringen wird.
Befürwortung einer Allianz mit Preußen. — Die Allianzzwischen den beiden Häusern Österreich und Brandenburg soll für ewigeZeiten geschlossen werden und die Bestimmung enthalten, daß kein Teilsie aufgeben dürfe. Geschieht es aber dennoch, so ist auch der andereTeil an keine Bedingungen des Traktates gebunden. — Beide Parteienfinden bei dem Vertrage ihre Sicherheit ; und wenn Österreich, Preußen undRußland Zusammenhalten und bei allem, was kommen mag, wie e i nMann dastehen, so werden sie imstande sein, mit vereinten Kräften alleneine Spitze zu bieten, die diese Allianz mit scheelen Augen ansehen.
116. Zeitgenössische Urteile über den Prinzen Eugen.
Österreichische Bibliothek, Nr. 17.
Elisabeth Charlotte, Herzogin von Orleans, über (len jungen Eugen:
Er war nichts als ein schmutziger, sehr debauchierter Bub, derkeine Hoffnung auf irgend etwas Rechtes gab.
In seiner Jugend war er nicht besonders häßlich. Er hat nie einegute Haltung noch ein vornehmes Aussehen gehabt, aber die Augenwaren schön. Nur die Nase verschandelt sein Gesicht, und außerdemhält er immer den Mund über zwei großen Zähnen offen.
Er hat viel Verstand, aber man hat ihn nicht geachtet und meinte,daß nichts anderes als ein Abt aus ihm werden könne. Doch dieser Eck-stein ist schon auf viele gefallen und hat sie zermalmt. Man sagt wohlmit Wahrheit: «Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande» '. Wäre der
' Prinz Eugen, der Sohn eines Grafen von Savoyen-Carignan und derMaria Manzini, einer Nichte Mazarius, fand als häßlicher Sproß seiner schönenMutter, die einst von Ludwig XIV. selber bewundert worden war, bei diesemKönige keine Gnade: „Dies Gesiebt ist mir fatal“.