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„Kritik der Urteilskraft.“ „Die Kantische Philosophie ist einerseits das reifeand abschließende Resultat der Aufklärungsbewegung des 18. Jahrhunderts,andererseits als solches der gemeinsame Ausgangspunkt aller bedeutenderenwissenschaftlichen Richtungen des 19. Jahrhunderts.“
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seinerselbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist dasUnvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines andern zu be-dienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ur-sache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Ent-schließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andernzu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines ei genen Verstandeszu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.
Faulheit und Feigheit sind die tJrsachen, warum ein so großer Teilder Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei-gesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben, und warum esandern so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist sobequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstandhat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der fürmich die Diät beurteilt, so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen.Daß bei weitem der größte Teil der Menschen den Schritt zur Mündig-keit, außerdem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte,dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigstauf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm ge-macht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe jakeinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagendurften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wennsie es versuchen, allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben sogroß nicht; denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehenlernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern undschreckt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab.
Ein Publikum kann nur langsam zur Aufklärung gelangen. Durcheine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von persönlichem Des-potismus und gewinnsüchtiger oder herrschsiichtiger Bedrückung, aberniemals wahre Reform der Denkungsart zustande kommen; sondern neueVorurteile werden, ebensowohl als die alten, zum Leitbande des gedanken-losen großen Haufens dienen.
Zur Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; undzwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlichdie: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauchzu machen. Nun höre ich aber von allen Seiten rufen: räsoniertnicht! Der Offizier sagt: räsoniert nicht, sondern exerziert! Der Finanz-rat; räsoniert nicht, sondern bezahlt! "Der Geistliche: räsoniert nicht,sbndern glaubt! Nur ein einziger Herr in der Welt sagt: räsoniertso viel ihr wollt und worüber ihr wollt: aber gehorcht! 1 Hier ist
1 Friedrich der Große.