Band 
Dritter Teil.
Seite
328
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32?

sich auf Meines Sohnes Zustand schicken, darinnen sich finden, selbigeextrahieret werden, damit er dieselben wiederholen nnd auswendig lernenkönne, wie denn solches auch mit den nützlichsten Liedern und kurzenGebeten gehalten werden kann;

7. wie dann auch von denen Opern, Komödien und andern weltlichenEitelkeiten abzuhalten und ihm so viel als möglich einen Degout davorzu machen; und weil die Veneration und der Gehorsam, so Kinder ihrenEltern schuldig seien, auch zur Pietät gehöret, so hat der Oberhofmeisterund Sousgouverneur gleich anfangs uhd beizeiten Meinem Sohn beizu-bringen, was er Mir und Meiner Frau vor Eespekt und Submission, welcheaber nicht knecht- und sklavisch sein muß, schuldig sei. Oberhofmeisterund Sougouverneur sollen dahin arbeiten und ihr möglichstes anwenden,Meinem Sohn wohlbegreiflich zu machen, daß er keine solche Furcht,sondern nur eine wahre Liebe und vollkommen Vertrauen vor Mich habenund in Mich setzen müsse, da er denn finden und erfahren sollte, daßihm mit gleicher Liebe und Vertrauen begegnet würde. Sollte aber MeinSohn wider Verhoffen sich unartig und diesem nicht gemäß aufführen,so sollen beide ihm bedeuten, es der Königin zu hinterbringen undmüssen sie ihn mit derselben allezeit schrecken, mit Mir aber niemalen.

Nächst der Gottesfurcht ist nichts, das ein fürstliches Gemüte mehrzum Guten antreiben und vom Bösen abhalten kann, als die wahre Glorieund Begierde zum Ruhme, Ehre und zu der Bravour, weshalb denn vorallen Dingen sowohl der Oberhofmeister als der Sousgouverneur ihreinziges Augenmerk sein lassen müssen, ihn von allem aufgeblasenenStolz und Hochmut auf alle Weise abwendig zu machen und zu demEnde alle nur ersinnlichen Mittel Vorkehren; hingegen aber haben sieihn zur Menage, Sparsamkeit und Demut anzuhalten und dahin zu sehen,daß er ein guter Wirt werde und sich hierzu nach und nach bequemenlerne. Da auch nichts schädlicher, als die Flatterie, so habt ihr allen,welche zu Meinem Sohne kommen, solche bei Meiner größten Ungnadezu verbieten.

Was die übrigen Studia und Wissenschaften, so einem Fürstenwohl anstehen, anbelanget, wird der Progreß darinnen mit dem Wachstumder Jahre gesuchet und dahin gesehen werden müssen, daß das Nötigstezum ersten, alles aber ohne Ekel und Verdruß erlernt werden möge,und weil solches fürnehmlich auf die Dexterität 1 des Präzeptoris Duhan 2 . .ankommen wird, so hat der Oberhofmeister mit demselben, was nachund nach zu tun und vorzunehmen, zu konzertieren 3 und Mir davon,ob Ich es approbieren werde, zu berichten.

Was die lateinische Sprache anbelangt, so soll Mein Sohn solchenicht lernen, und will Ich auch nicht, daß Mir einer davon sprechen soll,

1 Gewandtheit, Geschicklichkeit.

1 Duhan de Jamluij vermochte sich des Königs Vertrauen nicht zu erhalten.Er führte seinen Schüler in das Zauherland der schönen Literatur. FriedrichWilhelm machte ihn für die Irreligiosität des Sohnes verantwortlich und be-strafte ihn. Der Kronprinz erwirkte später seine Befreiung und ließ ihm eineBibliothekarstelle verschaffen. — 3 vereinbaren.