Band 
Dritter Teil.
Seite
337
JPEG-Download
 

337

der Irreligiosität und des Atheismus angeklagt ist, weil er in die dun-kelsten Stellen der Metaphysik Licht gebracht und deren schwierigeGegenstände in einer ebenso erhabenen wie bestimmten und klarenWeise behandelt hat. Pas ist das Schicksal der großen Männer: ihrüberlegener Geist setzt sie beständig den Verfolgungen der Verleumdungund des Neides aus. Ich lasse augenblicklich die Abhandlung überGott, die- Seele und die Welt übersetzen, die aus der Feder des-selben Verfassers geflossen ist. Ich werde sie Ihnen senden, sobald siefertig ist, und bin gewiß, daß Sie erstaunt sein werden über die Beweis-kraft bei ,&llen seinen Lehrsätzen, die mathematisch aufeinander folgenund miteinander Zusammenhängen wie die Glieder einer Kette.

Die Liebenswürdigkeit und die Unterstützung, die Sie allen denen zuteil werden lassen, die sich den Künsten und Wissenschaften widmen,lassen mich hoffen, daß Sie mich nicht ausschließen werden aus der Zahlderer, die Sie Ihrer Belehrung würdig finden. So nenne ich den Brief-wechsel mit Ihnen, der für jedes denkende Wesen nur vorteilhaft seinkann, Ich wage sogar zu behaupten, ohne dem Verdienst eines andernAbbruch zu tun, daß es in der ganzen Welt ausnahmslos niemand gibt,dessen Lehrmeister Sie nicht sein könnten.

Darum habe ich ein glühendes Verlangen, alle Ihre Werke zu be-sitzen. Ich bitte Sie, sie mir zu schicken und sie mir ohne Rückhaltmitzuteilen. Wenn das Geschick mir nicht bis zu dem Grade günstig ist,sie zu beziehen, so darf ich wenigstens hoffen, den eines Tages zu sehen,den ich seit so langer Zeit aus weiter Ferne bewundere, und Ihnen münd-lich zu versichern, mein Herr, daß ich mit aller Hochachtung und Wert-schätzung, die man denen schuldet, welche der Fackel der Wahrheit alsFührerin folgen und ihre Arbeiten dem Gemeinwohl weihen, Ihr wohl-geneigter Freund bin.

Charlottenburg, 27. Juni 1740. — Seit dem Tode meines Vatersglaube ich ganz meinem Lande zu gehören; in dieser Gesinnung habeich nach all meinen Kräften gearbeitet, um so schleunig als möglichAnstalten zum allgemeinen Besten zu treffen.

Fürs erste habe ich die Macht des Staates um 16 Bataillone,5 Schwadronen Husaren und eine Schwadron Gardes du Corps vermehrtund den Grund zu unsrer neuen Akademie * 1 gelegt. Wolff, Maupertuisund Algarotti habe ich schon; van s’Gravesande, Vaucänson und Eulererwarte ich Antwort 2 . Ich habe ein neues Handlungs- und Manu-

1 Die von Friedrich I. gegründete Gesellschaft der Wissenschaften, vonFriedrich Wilhelm I. vernachlässigt, wurde von Friedrich II. zur Akademie derWissenschaften erhoben.

1 Schon am 6, Juni 1740 hatte der König dem Konsistorialrat ReinbeckBefehl gegeben, Wolff in seine Dienste zu ziehen. „Ein Mensch, der die Wahr-heit sucht und sie liebet, muß unter aller menschlichen Gesellschaft wert ge-halten werden.“ Wolff wurde als Geheimer Rat Vizekanzler und Professor derUniversität Halle. — Maupertuis, 1698—1759, bekannt durch seine Reise nach

Flach u. Guggenbitbl, Quellenbuch III 22