Band 
Dritter Teil.
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nicht nur in den Hauptsachen, wie es ein einfacher General tun würde,sondern er versieht auch die andern wichtigsten Obliegenheiten. Abge-sehen davon, daß er in seinem Zelte, mitten im Lager, kampiert, erteilter alle Befehle und geht in sämtliche Details ein, die bei uns Sache derQuartiermeister sind. Er bekümmert sich auch um die Zufuhr, die Ar-tillerie und das Ingenieurwesen. So hat er auch den Plan des Angriffesauf Brieg entworfen.

Der König steht um vier Uhr morgens auf, steigt zu Pferde undreitet sämtliche Vorposten sowie die Umgebung des Lagers ab. Sämt-lichen höhern und niedern Offizieren, die zu irgendwelchen Operationendetachiert werden, erteilt er die Verhaltungsbefehle, anderseits gehenalle Berichte über derartige Anregungen an ihn persönlich. So werdenauch die Deserteure, Spione und Kriegsgefangenen vor ihn gebracht undvon ihm ausgefragt. Dies habe ieh gestern Abend und heute Morgenselbst mit angehört. Der König ist vom Aufstehen bis zum Schlafen-gehen vollständig angezogen und trägt eine blaue Uniform, die sich nurdurch den Ordensstern und ein etwas reicheres Schulterstück von: derseiner Adjutanten unterscheidet.

Der Bruder des Königs, Prinz Wilhelm, sowie alle andern Generalehaben keine andere Kleidung als ihre sehr einfachen Uniformen. DerUniformrock ist so kurz, daß er fast wie eine Jacke aussieht. Die Manns-zucht, Subordination und Pünktlichkeit sind in einem Grade ausgebildet,von dem ich, trotzdem ich vorher davon gehört hatte, nur eine unvoll-kommene Vorstellung besaß. Der Herzog von Holstein, der der ältesteGeneralleutnant in der Armee ist, hat mir erzählt, daß er acht Monateim Jahr bei seinem Regimente zubringt und mit ihm von Königsbergnach Schlesien Tag für Tag wie ein einfacher Oberst marschiert ist.Eben habe ich einen andern Generalleutnant von der Kavallerie gesehen,der es mit seinem Regimente ebenso gemacht hat und an dessen Spitzein das Lager eingerückt ist. Von der Pünktlichkeit des Dienstes beiden niederen Offizieren kann man sich ans der der Generale, Prinzenund des eigenen Bruders des Königs, der wie jeder andere Offizier dient,einen Begriff machen. Was die Soldaten anbelangt, so ist die Ausbildungzu einer fast unglaublichen Höhe gebracht.

146. Soldatenleben zur Zeit Friedrichs des Großen.

Das Leben und die Abentheu er des Armen Mannes imTocken-burg. Von ihm selbst erzählt. Herausgegeben von Adolf Wilbrandt, S. 109 ff.,129 ff. — Gekürzt.

Ulrich oder Uli Braeker, geh. 1735 im Toggenburg, wurde in Schaff-hausen von einem preußischen Werbeoffizier, dem Leutnant Marooni, angeblichals Diener gedungen, dann aber unter dem Vorwand eines Auftrages nach Ber-lin geschickt und hier als Rekrut dem Heere Friedrichs dem Großen einverleibt.Nachdem er in der Garnison gedrillt worden war, mußte er den Krieg mit-machen, desertierte aber in der Schlacht von Lobositz, 1756, und gelangte inseine Heimat zurück. Seine Autobiographie ist „eine der schönsten Erscheinungenin der deutschen Literaturgeschichte, voll entzückender Aufrichtigkeit und